Wirtschaft : Börsenfieber: Der Heisssporn: Der moderne Troll nutzt eine 0190-Nummer

Andreas Kosina

Freitag für Freitag schreiben abwechselnd unsere Kolumnisten über ihr Leben mit den Kursen. Der Heißsporn, der ohne die tägliche Hektik nicht leben kann. Der Outsider, der die Macht der Börse im Alltag beobachtet. Der Zauderer, der den Aktienkauf bis heute nicht wagt. Und der Abgeklärte, der sich nie aus der Ruhe bringen lässt.

Kaum ist die Börse wieder etwas angezogen, kommen die ganzen Gurus als verwunschene Prinzen aus ihren Brunnen zurück. Wer mich kennt, weiß was ich damit meine. Die sogenannten Froschkönige saßen die ganzen vergangenen Monate auf dem Brunnenrand und quakten den Aktionären die Ohren voll. Gut geknutscht und mit vollen Taschen sprangen sie sodann zurück in ihren Brunnen. Doch leider blieb den küssenden Aktionären nichts weiter als ein verschleimter Mund. Heute nutzen einige der modernen Trolle 0190-Nummern, um ihre Weisheiten kundzutun.

Aber nun ein wenig zu dem aktuellen Marktgeschehen. Ich habe die Leser des Tagesspiegels schon des öfteren darauf aufmerksam gemacht, dass es einige Pleiten am Neuen Markt geben wird. Traurig und wahr, einige wehren sich noch recht kräftig, bevor sie doch noch die Segel streichen müssen. Es ist also noch immer Vorsicht angesagt. Ein Beispiel, wie gnadenlos die Börse ist, zeigt die Aktie der Firma Intershop (wobei ich natürlich noch viele andere Firmen nennen könnte), die mit einem Kurs von 20, 10 oder sogar sechs Euro recht billig war. Heute wird die Aktie aber sogar nur noch zu einem Kurs von drei Euro gehandelt. Und dennoch ist die Gefahr eines Kurseinbruches um weitere 50 Prozent immer gegeben.

Ich weiß, dass einigen von Ihnen mittlerweile die Lust vergangen ist, sich um Ihre Aktienkurse zu kümmern. Nur vergessen Sie nicht, Ihre Brieftasche lassen Sie ja auch nicht unbeobachtet auf der Straße liegen und hoffen, Ihnen steckt jemand etwas hinzu. Longterm-traden ist out, auch wenn Sie es nicht glauben wollen. Was soll ich Ihnen sagen, der Markt hatte mal wieder recht. Das Argument "das sitze ich aus" kann richtig sein, wenn es gut geht. Ihrem sauber verdientem Geld gegenüber ist es aber ein Frevel, Monat für Monat zuzuschauen, wie es Tag für Tag an Wert verliert.

Nachdem jetzt einige Investoren bis zu hundertausend Mark und mehr in Ihrem Depot verloren haben, wird darüber nachgedacht doch einmal ein Seminar zum Thema Börse mitzumachen. Leider ist auch hier Vorsicht geboten. Viele Referenten wussten vor 24 Monaten noch nicht mal, dass es Seminare zum Thema Börse gibt. Ich habe einige Depots von Privatpersonen gesehen, die bei Online Banken geführt wurden, auf denen bis zu 300 000 Mark verloren wurde (die Handelsgebühren waren aber recht billig). Das sollte wohl zum Thema "Börse und Erfahrung" als Seminargebühr reichen. Wer soviel Geld verliert, sollte zum Thema Verluste an den Börsen einiges beitragen können.

Ich möchte Ihnen einmal einen ganz einfachen Tipp geben, der sie künftig vor solch dramatischen Verlusten in Ihrem Depot schützen kann. Schauen Sie auf den heutigen Schlusskurs derjenigen Aktie, die Sie kaufen möchten, oder in ihrem Depot haben, und setzen Sie sich ein realistisches Kursziel. Ich meine wirklich realistisch und nicht Ihren alten Einstiegskurs. Notiert die Aktie beispielsweise heute bei zehn Euro, setzen sie 13 Euro als Ziel. Dann teilen Sie den von Ihnen gewünschten Anstieg durch drei und erhalten so Ihren Stoppkurs. In unserem Beispiel läge der Einstieg also bei zehn Euro, das Ziel bei 13 Euro und der Stoppkurs bei neun Euro.

Erreichen sie nun ihr Ziel, notiert die erwähnte Aktie also bei 13 Euro, beginnen sie wieder von vorne, sackt der Kurs jedoch auf neun Euro, steigen Sie erst dann wieder ein, wenn die Aktie Ihren jetzigen Einstieg (zehn Euro) erreicht hat.

Sollte es klappen, rufen Sie mich an und danken mir. Sollte es nicht klappen, rufen Sie mich bitte nicht an. Wenigstens hatten Sie ein klar gestrecktes Ziel.

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