Wirtschaft : Börsenfieber: Der Heißsporn: Hände weg von den Online-Banken!

Andreas Kosina

Die Chancen, an der Börse Geld zu verlieren oder zu gewinnen, liegen bei 50:50. Trotzdem liegt der Verlust bei den meisten Privatinvestoren bei über 90 Prozent. Mancher Privatmann realisiert die Verluste erst gar nicht und und sitzt sein Buchminus tapfer in Kostolany-Manier aus. Auch Profis mussten an den Aktienmärkten Federn lassen. Sie als Privatmann müssen sich also nicht schämen, wenn das Konto ein Minus aufweist.

Ich will auch kein Salz in die Wunde streuen. Ich möchte Ihnen nur die Augen öffnen, wenn Sie nicht zu den zehn Prozent der Gewinner gehören. Denn die Chancen standen bei 50 Prozent, Gewinne zu machen. Sollten Sie jetzt schon eine Antwort haben, wann Sie verlieren und wann nicht, gehören Ihnen die Ohren lang gezogen! Denn dann haben Sie gewusst, wie die Lage ist, und Sie haben nichts gemacht, um Ihre Verluste zu reduzieren. Wenn Sie keine Antwort haben, frage ich mich, warum haben Sie sich nicht genug vorbereitet, um sich vor Verlusten zu schützen, wenn der Markt nicht nach ihren Erwartungen läuft.

Sollten Sie zu den Sado-Maso Tradern gehören, die es nur mal versuchen wollen. Und wenn es nicht klappt, sich mit den Worten "Lehrgeld bezahlt" trösten, dann frage ich mich, warum haben Sie nicht das verlorene Geld in eine Ausbildung gesteckt, bei der Sie wirklich etwas gelernt hätten? Wenn Sie aber blind irgendwelchen Gurus vertraut haben, die an ihren Jüngern nur Geld verdienen, muss ich davon ausgehen, dass Sie alles tun, was man Ihnen sagt. Ist Ihre Antwort jedoch "ich hatte Pech", haben Sie auf Glück spekuliert und nicht auf den Wert, auf den Sie gesetzt haben. Sollten Sie gar zu denen gehören, die ihr Geld auf ein Unternehmen gesetzt haben, dass eventuell Unwahrheiten veröffentlicht hat oder Halbwahrheiten, und sollten Sie so Ihr Geld verloren haben, ist das Wort Risiko-Streuung wohl noch nicht bei Ihnen angekommen, oder Sie wollten nach Rambotechnik "einer gegen alle" Ihr Geld einsetzen. Dann sage ich nur: "Dumm gelaufen".

Doch schauen wir uns lieber an, was aktuell läuft: Alan Greenspan hat am 31.Januar die Zinsen um 0,5 Prozentpunkte gesenkt. Dies sollte gut für die Börse sein. Dennoch fiel Consors an diesem Tag um fünf Prozent, EMTV um acht Prozent, Intershop um 20 Prozent und MAN um drei Prozent. Komisch.

Für diejenigen, die die Flinte noch nicht ins Korn schmeissen wollen, und sich mit Sprüchen standhaft halten, sei gesagt, das tun Sie wahrscheinlich schon, als die Aktien noch 100 Prozent höher standen. Sollten Sie jetzt glauben, es sei besser man hört auf, an der Börse zu arbeiten, dem sei gesagt, die Chancen stehen bei 50:50. Sie verschlechtern sie nur. Wie vorhin erwähnt, fielen einige Aktien - andere machten auch Gewinn: SAP stieg um fast fünf Prozent, Infineon und Biodata um fünf Prozent, SCM Micros um über elf Prozent, Thiel um fast fünf Prozent und Teamcom um fast 48 Prozent.

In den USA wurden diese Ergebnisse noch übertroffen mit Aktien, deren Volumen in Millionenhöhe lagen, und nicht bei 1000 Stück wie am Neuen Markt. Ich rate Ihnen also nochmals: Weg von Online-Banken, die außer niedrigen Gebühren nichts zu ihrer Unterstützung beitragen. Weg von quälenden Longturn-Aktien und nur halten, wenn es gut läuft. Und: Keine Angst vor Day-Trading, wenn es Sinn macht. Handeln bringt Laune, nur eben nicht, wenn Ihr Konto ins Minus sinkt. Es gibt aber genug Möglichkeiten, sich vor Verlusten zu schützen. Wenn man die beherrscht, macht Börse auch Spaß. Lassen Sie sich also nicht die Freude und den Spaß am Handel nehmen.

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