• Börsenfieber: Der Heisssporn: Über Verluste reden Das große Spiel mit den Aktien hat jeden von uns eingeholt

Wirtschaft : Börsenfieber: Der Heisssporn: Über Verluste reden Das große Spiel mit den Aktien hat jeden von uns eingeholt

Andreas Kosina ist Day-Trader,Trading-Coach (

Was hat man sich nicht alles einfallen und über sich ergehen lassen, um sich vor Börsenverlusten zu schützen. Man investierte sogar in Unternehmen, deren Namen man noch nicht einmal aussprechen konnte, und war dann überrascht, als man sich nach weiteren Verlusten endlich mal erkundigte, was sich eigentlich hinter dem spannenden Namen verbirgt, den man da eingekauft hatte: Sie waren Aktionär einer blinkenden Litfaßsäule mit ein bisschen Inhalt. "Experten" hatten dazu geraten, diesen Highflyer unbedingt ins Depot zu nehmen. Und was alle kaufen, und Banken an die Börse bringen, wird schon gut laufen ...

Aber damit zu beginnen, sich über die Unternehmen zu erkundigen, war ja nicht das Einzige, was man als neuer Aktionär getan hat, um sich vor weiteren Verlusten zu schützen: Die technische Analyse musste her! Dieser Dschungel war allerdings noch schwerer zu durchdringen.

Es ging Ihnen am Ende wie einem Froschweibchen (vielleicht haben Sie einmal Fröschen beim Laichen zugeschaut): Ich kann Ihnen sagen, ich wollte kein Weibchen sein! Drei, fünf und mehr Männchen umklammern das Weibchen, es verwundert nicht, dass einige ersoffen sind, statt sich zu lieben ... Wenn sie also nicht ersoffen sind, haben Sie ziemlich neue Wörter kennen gelernt, um zum Ausdruck zu bringen, dass Ihr Depot abgeschmiert ist, oder anders: in eine "technische Schieflage" geraten ist.

Der nun etwas freundlichere Ausdruck für den Mist in Ihrem Depot wird jetzt täglich mit dem, was man gebüffelt hat, analysiert. Kopf, Schulter, Candlesticks, Doppeltop, Durchbruchslinie, und so weiter. Sie beleuchten die Charttechnik in ihren Grundzügen, und finden so immer neue Bilder in den Formationen. Eines hat es Ihnen gebracht: Sie können den Verlusten immer neue Namen geben, und sich mit Gleichgesinnten und Profis unterhalten. Man versteht Sie endlich, und Sie werden anerkannt. Dann ist das kollektive Jammern angesagt: Wir haben nicht nur gemeinsam verloren, wir können uns jetzt auch darüber unterhalten. Ab und zu kommen alte Weisheiten ins Spiel: "Nach jedem Regen kommt wieder die Sonne!" Aber nach Regen kann auch ein Gewitter folgen, bevor wieder die Sonne scheint.

Haben Sie etwas vergessen? Ja, die Fundamentalanalyse: Zahlen und Fakten. Nur, was machen unsere Faktengeber zur Zeit? In Politik und Wirtschaft wird geschwiegen wie im Grab, in den USA spielt man "Ene-meene-muh-Präsident-bist-du", Unternehmen stapeln hoch, und wenn es nicht klappt, tritt man eben zurück oder geht Pleite. Ja, mit der Fundamentalanalyse ist es wie mit den Fröschen EM.TV oder Gigabell.

Sie könnten jetzt den Eindruck haben, ich wolle Ihnen sagen, dass es keinen Sinn hat, eigene Verantwortung für Ihr Geld zu übernehmen. Im Gegenteil: Sie sollten sich nur ganz einfach wieder darauf besinnen, wie Sie Ihr Depot vor Verlusten schützen. Zum Beispiel indem Sie Stopps setzen, bevor es runtergeht, oder den Gurus misstrauen. Verdienen Sie Ihr Geld lieber langweilig an der Börse, und geben Sie es spannend aus!

Eines aber ist wichtig: lernen, lernen, lernen! Es wird Ihnen helfen, wenn Sie versuchen mit der Charttechnik, der technischen Analyse und der Fundamentalanalyse den Markt anzuschauen und Entscheidungen wie die Profis zu treffen. Verlorenes Geld freilich geben Ihnen auch diese Techniken nicht wieder. - Lassen Sie sich nicht die Freude und den Spaß am Handel nehmen.

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