Wirtschaft : Börsenfieber: Der Heisssporn: Verhängnisvolle Einladung für Zocker

Stefan Müller

Der Wind an der Börse ist wieder rauer geworden: Die Hoffnung auf eine schnelle Konjunkturerholung hat sich nicht erfüllt, Gewinnwarnungen von Infineon, Nokia oder Nortel beweisen es. Aber die Geldmenge in den USA wächst durch die ultralockere Geldpolitik der US-Notenbank zweistellig. Liquiditätsmengen, die doch irgendwann an die Börse fließen müssen. Oder heizen sie auch nur die Inflation an? Die Zukunft ist wieder reichlich ungewiss. Beste Arbeitsbedingungen für uns Trader.

Unser Blick ist nicht in die Zukunft gerichtet, sondern auf den Boden. Dorthin, wo die die einstigen Börsenstars liegen. Von denen wäre jetzt ab und zu einer reif für einen Zwischenspurt. Gewiss nicht einfach aus heiterem Himmel, sondern mit Ansage. Zum Beispiel Kinowelt: Der angeschlagene Filmhändler hat es endlich geschafft, ein riesiges, vor zwei Jahren in Hollywood gekauftes Filmpaket bei den TV-Sendern abzusetzen. Zwar nur an das wenig spendable ZDF, aber immerhin: Kinowelt kassiert endlich wieder dringend benötigtes Bargeld. Der Kurs der Aktie schoss unmittelbar nach der Meldung um 14 Prozent in die Höhe, kam dann wieder ein bisschen zurück und sammelte sich für einen neuen Anstieg. Eine nette Einladung, schnell noch einzusteigen - endlich mal wieder die Chance, ein paar Hunderter zu machen. Scheinbar. Denn statt weiter auf ein Plus von, sagen wir, 25 Prozent zu steigen, wie ich es als verwöhnter Zocker erwartet hätte, bröckelte der Kurs wieder ab. Für mich hieß es: Die Reißleine ziehen.

Den Ärger im Bauch machte der nächste Tag aber vergessen: Kinowelt eröffnete im Minus und stürzte im Tagesverlauf um 25 Prozent ab. Auch so etwas gereicht uns Tradern zum Erfolg: Rechtzeitig wieder draußen zu sein, den Hammerverlust vermieden zu haben. Bingo! Ein Börsensprichwort sagt: Nichts ist schlimmer als entgangene Gewinne. Bei Kinowelt gilt: Nichts ist schöner als vermiedene Verluste.

George Soros, der König der Spekulanten, bezeichnet es als sein Erfolgsrezept, sich die Fehler, die er macht, immer sofort einzugestehen und umgehend zu korrigieren. Damit hat Soros über drei Dekaden immerhin 30 Prozent im Jahr gemacht! Da können nicht allzu viele Fehlentscheidungen dabei gewesen sein. Aber das unterscheidet das Genie Soros eben von uns gemeinen Day-Tradern, die froh sind, wenn ein schlechter Trade die ganzen guten nicht kaputt macht.

An Gewinnmitnahmen ist noch niemand arm geworden, heißt es. Und an der Realisierung von Verlusten wohl auch noch niemand reich. Stimmt nicht! Einer wie Soros weiß es besser. Aber aus Fehlern lernt man doch! Und bei der nächsten Aktie mache ich es besser, ganz sicher ...

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