Wirtschaft : Börsenfieber: Der Zauderer oder Richtig programmiert

Der Autor ist Redakteur dieser Zeitung. Freitag f&

Es passiert ja eine Menge derzeit in der Welt, und immer mehr Fachleute sind sich einig, dass sich unser aller Alltag in wenigen Jahren dramatisch verändern wird. Einer von diesen Leuten ist der amerikanische Wissenschaftler und Computermillionär Ray Kurzweil, der in seinem brillianten Buch "Homo S@piens" eine Zukunft entwirft, die nicht mehr sehr viel mit dem zu tun hat, was wir bislang so unter dem Begriff Leben verstehen.

Er prophezeit beispielsweise, dass der Mensch sich in den nächsten Jahren immer mehr Computerchips oder kleine Maschinenteile einsetzen werde, etwa bestimmte Sprachchips, mit deren Hilfe man nicht langwierig eine Sprache lernen muss, sondern sie augenblicklich beherrscht. Man werde dadurch die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit erheblich steigern können. Man werde im Gehirn auch durch kleinere Eingriffe bestimmte Erlebnisse und Erfahrungen, die einen belasten, ungeschehen machen können. Das heißt, der Mensch wird allmählich umprogrammiert. Oder: Wir verwandeln uns nach und nach in mehr oder weniger nette Maschinen.

Nun, lieber Leser, liebe Leserin, werden Sie sich fragen, was das alles bitteschön mit der Börse zu tun haben soll, und schon gar mit dieser Kolumne, die doch das Schicksal eines Menschen (ich bin das) zum Thema hat, der es immer noch nicht geschafft hat, den richtigen Weg zu finden, um an der Börse so richtig aggressiv anzugreifen? Das will ich Ihnen sagen: Mich beschleicht zunehmend der Gedanke, dass man vielleicht sehr bald auf eine ganz andere Weise mit den eigenen Schwächen und Defiziten umgehen kann. Etwa nach der Methode Auto: Das Auto fragt doch auch niemand, es soll mal über seinen Lebenswandel nachdenken, wenn beispielsweise der Vergaser dauernd verstopft ist, oder warum es nicht schneller fahren kann? Klar, gesamtgesellschaftlich ist das natürlich höchst problematisch, aber im persönlichen Einzelfall könnte es doch auch eine Chance sein: Man wechselt Schwächen einfach aus, oder, freundlicher gesagt: man ergänzt sie.

Ich stelle mir beispielsweise so einen kleinen Chip im Ohr vor, der einem sagt, wie die Börsenkurse stehen, und vor allem, was ich jetzt unbedingt kaufen und dann auch wieder verkaufen soll. So einfach wäre dann das Leben. Und nur in diesem einen kleinen Punkt, was nämlich meine Fähigkeit im Umgang mit der Börse betrifft, würde ich mich widerstandslos umprogrammieren lassen. Ich müsste mich dann nicht mehr mit meinem neuen Feindwort herumschlagen: Risikoanleger. Wie ich solche Sätze hasse: Risikoanleger können jetzt zuschlagen. Was heißt das? Die Dummen dürfen jetzt ran?

Klingt etwas hilflos für eine Börsenkolumne, ich weiß. Zumal Ray Kurzweil zwar verkündet, einige seiner Prophezeiungen würden schon in einer Handvoll Jahren Wirklichkeit. Aber eine Handvoll Jahre ist eben auch eine Zeit. Was macht man bis dahin? Nun, auch hier hat Ray Kurzweil einen Tipp, einen Appetizer sozusagen für bessere Zeiten. Es gebe inzwischen eigens entwickelte Computerprogramme, die sehr genau ausloten können, welche Aktie etwas taugt und welche nicht. Er schreibt nur nicht, wie man an ein solches Programm rankommt. Aber, versprochen, ich werde es herausfinden, und dann testen, was dieser Kurzweil taugt.

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