Wirtschaft : Börsenfieber: Überzeugt uns mit Fakten!

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Freitag für Freitag schreiben auf dieser Seite unsere Kolumnisten über ihr Leben mit den Kursen. Nächste Woche: unser Outsider. Er hat keine Aktien im Spiel, erklärt aber, warum es auch für ihn kein Entkommen gibt.

Ja, ja es ist schon ganz schön schwer in solchen Zeiten, entspannt und locker auf sein Aktiendepot zu schauen, um befriedigt festzustellen, dass man genau die richtigen Papiere gekauft hat. Eigentlich musste man nur zum richtigen Zeitpunkt die schlechten Aktien von Bord geworfen haben. Eigentlich...

Noch immer werden Daytrader vielfach als dumme Zocker abgetan, obwohl auch der konservativste Anleger erkannt haben sollte, dass die Zeit des ausschließlich langfristigen Investments inzwischen vorbei ist. Betrachten Sie zum Beispiel die Aktien des US-Computerherstellers Dell und des Internetvorreiters Yahoo. Diese stehen heute wieder da, wo sie bereits vor zwei Jahre angekommen waren. Daimler-Chrysler - heute eine klare Kaufempfehlung - wurde von den meisten renommierten Banken und Analysten vor zwei Jahren als "Muss" für jedes Depot empfohlen - und fiel seitdem um über 60 Prozent. Danke für den Tipp! Will heissen: Statt sich über stolze Gewinne zu freuen, kann die betrübte Anlegerschar heute allenfalls die Verluste von der Steuer absetzen. Ein schwacher Trost.

Ich könnte ihnen eine Vielzahl von so genannten "Top-Aktien" aufzählen, denen es ähnlich erging. Dabei sollten Sie es besser wissen: Es gibt doch auch hinreichend viele Aktien, mit denen Sie auf einer guten, und ich meine wirklich guten Handelsplattform (nicht Plattformen der bekannten Onlinebanken) ihr Geld verdoppelt oder verdreifacht hätten. Dabei muss man dann schon ein bisschen auf sein Depot achten und seine Anlageentscheidung häufiger überdenken und an die Verhältnisse des Gesamtmarktes anpassen. Das nennt man dann Traden.

Die aktuelle Marktentwicklung hatte ich Ihnen, geneigter Leser, schon vor Wochen in meiner Kolumne "Die Bullen wetzen sich die Hörner" angedeutet. Wer sich meine kleine Warnung von damals zu Herzen genommen hat, müsste den Aktienmarkt heute mit einem Lächeln zur Kenntnis nehmen. Wer an meine Worte dagegen nicht geglaubt hat, der glaubt vielleicht auch unseren beiden Post-Teletubbies der "Aktie Gelb" oder den protzigen Werbespots einiger Online-Banken, die auch der Überzeugung sind, sie seien "das Gelbe vom Ei". Ich bin vielmehr der Meinung, dass an dieser Sache etwas faul ist.

Noch ein Wort zu unserem arg gebeutelten Neuen Markt und zu denen, die die Auslöser des Sturzes waren: Liebe Vorstände und Aufsichtsräte, anstatt davon zu träumen, am weißen Südsee-Strand in gemütlicher Runde einen exotischen Cocktail zu trinken, sollten sie diese Drinks vielleicht lieber als Kellner servieren. Die Qualität ihrer Arbeit sollte sich nicht darauf beschränken, einfach nur gut auszusehen. Wenn Sie wider Erwarten doch mehr als nur "Kohlemachen" im Sinn haben und ihre Hintermänner Sie nicht zu stark unter Druck setzen, dann überzeugen Sie uns Anleger doch bitte einmal mit Fakten und nicht mit teurer Werbung, geschönten Worten oder gar Falschmeldungen. Dies sollten sich übrigens auch die jungen Unternehmen zu Herzen nehmen, die gerade an die Tür des Neuen Marktes klopfen.

Ich wünsche Ihnen wieder viel Spass und Erfolg beim Handeln.

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