Wirtschaft : Börsenfusion: Frankfurt glaubt weiter an eine Verschmelzung

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Die Deutsche Börse AG hält die Fusion der Frankfurter Börse und der London Stock Exchange (LSE) zur internationalen Börse iX trotz des Übernahmeangebots der OM Gruppen für die LSE nicht für gefährdet. An der Abstimmung über die Fusion mit der LSE am 14. September in Frankfurt solle festgehalten werden, bekräftigten der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Börse AG, Werner Seifert, und Aufsichtsratschef Rolf E. Breuer am Dienstag.

In Frankfurt werde aber auch über ein eigenes Angebot für die LSE nachgedacht, ergänzte Breuer, der zugleich Vorstandssprecher der Deutschen Bank ist. Dieses Angebot solle gemeinsam mit anderen europäischen Börsen und möglicherweise der US-Technologiebörse Nasdaq und nach Absprache mit der LSE formuliert werden. "Eine Offerte allein der DBAG würde einen zu teutonischen Eindruck hinterlassen", sagte Breuer am Rande der Eröffnung der Neuen Börse in Frankfurt.

Nach Breuers Worten gibt es im Blick auf ein solches Angebot schon erste Gespräche mit Mailand und Madrid. Bevor allerdings eine solche Übernahmeofferte auf den Tisch gelegt werden könnte, müssten die Londoner die Lage klären. Nach Breuers Ansicht ist die Fusion von DBAG und LSE zur neuen International Exchange iX durch die Attacke aus Stockholm nicht in Gefahr. Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank hält es sogar für möglich die schwedische OM in die gemeinsame Börse einzubeziehen. Das Unternehmen sei "technisch brillant". Sollten die Schweden tatsächlich mit Frankfurt und London kooperieren wollen, "dann haben sie es etwas merkwürdig angefangen". Nach Ansicht von Breuer muss die DBAG ihr Fusionsangebot an die LSE aufgrund der jüngsten Entwicklung nicht nachbessern.

Breuer ließ keinen Zweifel daran, dass er am 14. September mit einer deutlichen Mehrheit der DBAG-Aktionäre für iX rechnet. Zu einer Verschiebung der Hauptversammlung werde es nur dann kommen, wenn weitere Übernahmeangebote für die LSE auf den Tisch kämen.

Auch Börsenchef Seifert betrachtet die Aufregung um die Offerten von OM relativ gelassen. Er bedauere, dass der Prozess zur Etablierung von iX gestört wurde. "Aber wir lassen uns nicht vom Weg abbringen." Zum Zusammenschluss der DBAG und der LSE "ist keine Alternative denkbar, die ähnlich weitreichende und positive Auswirkungen auf die Kapitalmarkteffizienz mit sich brächte, die Rolle des Finanzplatzes langfristig erhielte und weiter stärkte sowie Aktionäre und Mitarbeiter besser stellt".

Auch andere führende Banker plädieren dafür, in gut zwei Wochen über die Fusion abzustimmen und mit einem positivem Votum ein klares Signal an die LSE zu geben. Sie betrachten die Attacken von OM im übrigen durchaus als hilfreich für den Fusionsprozess. Sie sorgten für neuen Wind und würden die derzeit vor allem von Sorgen um den jeweiligen Finanzplatz geprägte Diskussion auf die Kernfrage, nämlich eine effiziente europäische Börse, lenken.

Frank Zarb, der Chef der US-Technologiebörse Nasdaq, kritisierte, dass die Schweden mit ihrer Offerte den Unternehmenswert einer Börse für die Aktionäre in den Vordergrund gerückt hätten. Eine Börse sei in allererster Linie ein Dienstleistungsunternehmen für die Finanzmärkte und die gesamte Volkswirtschaft. Die Europäer dürften auch jetzt das Ziel einer paneuorpäischen Börse nicht aus den Augen verlieren. Dabei könne die Nasdaq helfen. "Wir wollen in Europa mit vielen Partnern zusammen arbeiten, nicht nur in Frankfurt und London", sagte Zarb.

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