Wirtschaft : Börsenfusion: London-Frankfurt ist gescheitert

tik

Die London Stock Exchange (LSE) hat ihre Fusionspläne mit der Deutschen Börse zurückgezogen. Das bestätigte die Börse am Dienstag. Weiter hieß es, London wolle sich darauf konzentrieren, den feindlichen Übernahmeversuch der schwedischen OM Gruppen abzuwehren. Der Handel mit LSE-Aktien wurde vorübergehend eingestellt. Schon am Montag schien die Fusion zur europäischen Superbörse iX in weite Ferne gerückt. Der Aufsichtsrat der Deutschen Börse hatte die Abstimmung der Anteilseigner auf unbestimmte Zeit verschoben.

Der Londoner Börsenchef Donald Cruickshank sagte, die strategische Ausrichtung der Börse sei weiter auf grenzüberschreitenden Handel, Senkung der Handelskosten und Schaffung von mehr Liquidität gerichtet. "Wenn die schwedische Offerte abgewehrt ist, wird der Vorstand gemeinsam mit den Aktionären und Marktteilnehmern über die Mittel nachdenken, mit welchen die herausragende Rolle Londons im europäischen Kapitalmarkt weiter gefördert werden kann." Der Rückzug ist die Konsequenz einer Serie von Rückschlägen, die das Projekt von Anfang an begleiteten. Unter den Kritikern waren zunächst nur die kleinen und mittleren Brokerhäuser der Londoner City. Mehr und mehr äußerten auch größere Marktteilnehmer und Aufsichtsbehörden ihre Skepsis über die komplizierte Konstruktion des Plans, der eine Marktaufteilung zwischen London (Standardwerte) und Frankfurt (Wachstumswerte) vorsah. Die Aktie der LSE gab am Dienstag um 2,5 Prozent auf 2900 Pence nach, was nach wie vor deutlich über dem Angebot der schwedischen OM Gruppen von 2763 Pence liegt.

Aus Londoner Sicht ergeben sich nun neue Möglichkeiten für eine internationale Strategie. Marktbeobachter halten eine Fusion mit dem kontinentalen Börsenbündnis Euronext für genauso wahrscheinlich wie ein Zusammengehen mit der US-Börse Nasdaq. Cruickshank sagte am Dienstag, man habe bislang keine Verhandlungen mit anderen Börsen geführt. Voraussetzung ist, dass keiner dieser möglichen Partner selbst ein feindliches Gegenangebot auf den Tisch legt oder sich als freundlicher "weißer Ritter" anbietet.

Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert bedauerte den Ausstieg des Partners und betonte, Frankfurt werde nun "Handlungsalternativen" zur geplanten Europabörse iX prüfen, die ein Gegengewicht zum Euronext-Verbund der Börsen Paris, Amsterdam und Brüssel hätte bilden sollen. Nach unbestätigten Presseberichten plante Frankfurt zuletzt ein eigenes Übernahmeangebot für die LSE, um den Zusammenschluss zu iX noch zu retten.

Die deutsch-britische Börsenfusion, die später um die Finanzplätze Mailand und Madrid sowie um eine Kooperation mit der US-Technologiebörse Nasdaq hätte erweitert werden sollen, war seit Wochen wegen interner Widerstände in der Schwebe. Die Verhandlungen gestalteten sich jedoch schwierig und waren von beiderseitiger Furcht vor einem Prestigeverlust gezeichnet. Die Deutsche Börse betonte, ein Zusammengehen hätte "einen wichtigen Schritt für die Konsolidierung der europäischen Kapitalmärkte bedeutet". Dadurch wäre der "Wert für die Aktionäre von Deutscher Börse und London Stock Exchange erhöht" worden, erklärte das Unternehmen in Reaktion auf den britischen Schritt. Die Technologiegruppe OM bietet den LSE-Eignern nach dem am Montag präzisierten Übernahmeangebot für jeden ihrer Anteile 0,65 OM-Aktien sowie sieben britische Pfund (22,52 Mark) als Kaufpreis. Damit liegt der Wert der Offerte laut OM Gruppen bei rund 820 Millionen Pfund (2,6 Milliarden Mark). LSE-Chef Don Cruickshank hatte das Angebot als "lächerlich" abgelehnt. Die LSE-Aktionäre haben bis zum 2. Oktober Zeit, über das Angebot endgültig zu entscheiden.

Die britische Zeitung "Independent" berichtete unter Berufung auf "gut informierte Beobachter", die Deutsche Börse AG werde eine eigene Übernahmeofferte im Wert von einer Milliarde Pfund Sterling (3,183 Milliarden Mark) für die LSE vorlegen. Die Offerte solle in den nächsten Tagen veröffentlicht werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben