Wirtschaft : Börsengänge: Fraport lässt Kandidaten hoffen

hus/hz/mm

Der Markt für Neuemissionen kommt langsam wieder in Schwung. In den USA und Europa wagen sich immer mehr Unternehmen aus der Deckung und wollen ihre Aktien noch vor der Sommerpause an die Börse bringen. In den ersten drei Monaten des Jahres 2001 konnten europäische Börsenkandidaten gerade einmal neue Papiere im Wert von neun Milliarden Dollar platzieren. Im zweiten Quartal dieses Jahres sollen es jetzt immerhin 15 Milliarden Dollar werden. Von einer generellen Trendwende wollen Analysten aber noch nicht sprechen. Sie gehen davon aus, dass der Markt erst 2002 wieder richtig in Fahrt kommen wird.

Die große Nachfrage nach den Aktien des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport macht vielen Börsenkandidaten in Deutschland wieder Mut. "Fraport war ein erfolgreicher Test für die Aufnahmefähigkeit des Marktes", meint Axel Pohlücke, zuständig für Börsengänge bei der DG Bank. Die zweitgrößte deutsche Emission in diesem Jahr wurde von den Anlegern 8,5-fach überzeichnet und startet am heutigen Montag mit einem Ausgabepreis von 35 Euro (68,45 Mark) in den Börsenhandel. Trotz der stärker als erwarteten Nachfrage nach der Flughafenaktie warnt Pohlücke aber vor übertriebenen Optimismus. Mit einer spürbaren Belebung sei frühestens im Herbst zu rechnen. Nach Pohlückes Schätzung könnten bis Ende 2000 noch etwa 30 Unternehmen in Deutschland den Sprung an die Börse schaffen. Auch die US-Investmentbank Goldman Sachs erwartet, dass die Zahl der Börsengänge in diesem Jahr weit unter dem Niveau des Vorjahres bleibt. "Erst 2002 werden wir eine spürbare Erholung erleben", heißt es in einer Studie der Bank mit Blick auf den europäischen Markt.

Solange wollen aber zahlreiche Unternehmen nicht mehr warten. Im Sog von Fraport wollen in Deutschland bis Ende Juni allein sieben weitere Gesellschaften an die Börse. Heute startet die Zeichnungsfrist für die Schnellrestaurantkette Nordsee. Europas größte Fisch-Restaurant-Kette Nordsee will bei ihrem Börsengang insgesamt bis zu 12,65 Millionen Aktien ausgeben. Davon stammten 4,3 Millionen Stück aus einer noch zu beschließenden Kapitalerhöhung, gab das Unternehmen am Samstag in einer Finanzanzeige bekannt. Nach Angaben des Emissionskonsortiums könnten die Aktien zwischen 20,5 bis 31,5 Euro kosten. Bereits einen Schritt weiter ist die Friseurkette Essanellle. Die Erstnotiz des umsatzstärksten deutschen Coiffeurs soll am kommenden Freitag stattfinden. Aber auch am lange vernachlässigten Neuen Markt tut sich wieder etwas. Nach dem Medizintechnikanbieter Pulsion streben auch World of Medicine und die Degussa-Tochter Zentaris ins Wachtumssegment der Frankfurter Börse. Während in Deutschland nach Fraport die kleinen und mittleren Emissionen dominieren, stehen in Europa mit den Milliarden-Emissionen des norwegischen Ölkonzerns Statoil und des Börsenverbundes Euronext noch einige Schwergewichte auf dem Programm.

Auch auf die US-Anleger kommt eine Mammutemission zu. Mit Kraft Foods startet in dieser Woche einer der größten Börsengänge der US-Geschichte. Die Tochter des Tabak-Konzerns Philip Morris, will Aktien im Wert von über acht Milliarden Dollar unter die Investoren bringen. Nach vier Dürremonaten, in denen der Markt für Neuemissionen in den USA fast zum Erliegen gekommen war, hat sich das Geschäft mit den so genannten Initial Public Offerings (IPOs) beinahe wieder normalisiert. Ähnlich wie in Europa finden vor allem die grundsoliden Werte aus der Old Economy das Interesse der Anleger. "Vorzeigbare Gewinne zählen wieder", erläuterte Jay Ritter von der University of Florida in Gainesville. Besonders aufnahmefähig ist der US-Markt für Börsengänge aus der Energiebranche. So startete der Kohlenproduzent P & L Coal mit einem Zeichnungsgewinn von 33 Prozent. Die knapp gewordene Energie und die hohen Ölpreise haben diese Kandidaten besonders attraktiv gemacht. Die Wiederbelebung des Marktes für Neuemissionen stehe in direktem Zusammenhaben mit der Erholung der Aktienmärkte, meint Ritter. Allerdings reagierten die Anleger immer extrem. "Mal läuft der IPO-Markt zu heiß, mal ist er zu kalt." Im Augenblick könnte er einen der seltenen Momente des gesunden Mittelmaßes erreicht haben.

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