Börsengänge : Kurze Sprünge aufs Parkett

Drei bekannte Unternehmen starten an drei verschiedenen Börsen: Ströer (Frankfurt), KKR (New York) und ABC (Schanghai). Doch die Erwartungen erfüllen sie nicht.

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Bewegung. In Frankfurt werden im laufenden Jahr 15 bis 20 Börsengänge erwartet.
Bewegung. In Frankfurt werden im laufenden Jahr 15 bis 20 Börsengänge erwartet.Foto: ddp

Frankfurt am Main - Drei Börsen, drei Börsengänge: An den Aktienmärkten in Frankfurt, Schanghai und New York haben am Donnerstag drei bekannte Unternehmen den Gang aufs Parkett geschafft – die hohen Erwartungen der Aktionäre allerdings enttäuscht.

Begünstigt durch ein freundliches Umfeld starteten die Aktien des Kölner Werbeunternehmens Ströer zunächst mit einem Kursplus von drei Prozent. Nachdem die Aktien zu 20 Euro ausgegeben worden waren, stand der erste Kurs in Frankfurt bei 20,60 Euro. Am Abend schloss die Aktie exakt auf dem Ausgabepreis.

Enttäuschung machte sich auch in Schanghai beim vermutlich größten Börsengang der Geschichte breit. Denn die Papiere der Agricultural Bank of China (ABC) notierten gerade mal 0,75 Prozent über dem Ausgabepreis. Experten hatten mit Aufschlägen von bis zu 15 Prozent gerechnet. Ob der Börsengang insgesamt der bislang größte der Welt wird, entscheidet sich an diesem Freitag. Dann starten die Aktien an der Börse in Hongkong. Immerhin sei das Papier der ABC sechsfach überzeichnet, sagte Bank-Chef Zhang Yun. 22 Milliarden Dollar soll der IPO des Instituts einspielen. Bislang kann die Industrial and Commercial Bank of China mit einem Erlös von 21,9 Milliarden Dollar vor vier Jahren den bislang größten IPO verbuchen.

Der US-Finanzinvestor KKR schaffte seinen lange erwarteten Sprung aufs New Yorker Börsenparkett ebenfalls nur mit einem mageren Kursgewinn von etwa einem Prozent. Gestartet mit einem Preis von 10,50 Dollar notierte der Kurs kurz nach Handelsstart bei 10,60 Dollar. Am Nachmittag (Ortszeit) fiel er jedoch auf 10,40 Dollar. KKR wollte wie Konkurrent Blackstone bereits vor drei Jahren an die Börse gehen, geriet aber in den Strudel der Finanzkrise und ließ die Pläne fallen. Die Führungskräfte von KKR veräußerten bei dem Börsengang keine Anteile. KKR hat jedoch angekündigt, anschließend 500 Millionen neue Aktien verkaufen zu wollen.

Trotz der gemischten Bilanz hoffen Banker wieder auf deutlich mehr IPOs (Initial Public Offerings) als in den vergangenen beiden Jahren. Angesichts der vorsichtigen Banken, die mit Krediten geizen, erweist sich die Börse als funktionierendes Finanzierungsinstrument.

Ströer erlöste mit einer Kapitalerhöhung und der Abgabe von Aktien durch den Altaktionär Cerberus insgesamt knapp 400 Millionen Euro. „Das ist ein gelungener Börsengang, zumal wenn man weiß, dass derzeit fast jeder zweite IPO abgesagt oder zurückgestellt wird,“ sagt Fidel Helmer, Börsenchef beim Bankhaus Hauck & Aufhäuser, dem Tagesspiegel. Ströer steht nach Kabel Deutschland (759 Millionen Euro) und dem Chemikalienhändler Brenntag (748 Millionen Euro) für den bislang drittgrößten Börsengang in Deutschland in diesem Jahr. Beide Unternehmen hatten kurz nach Ostern erstmals ihre Aktien gelistet. Daneben sind in diesem Jahr die Modefirma Tom Tailor (149 Millionen Euro) und der chinesische Sanitär-Hersteller Joyou (105 Millionen Euro) sowie Tonkens Agrar (5,5 Millionen Euro) in Deutschland neu an die Börse gekommen.

Vom Schwung vergangener Jahre ist das IPO-Geschehen aber nach wie vor weit entfernt. 2008 gab es keinen einzigen Börsengang, in diesem Jahr wurden mehrere Vorhaben wieder abgeblasen, unter anderem von den Immobilienfirmen GSW und CMI. Neue Aktien werden fast ausschließlich von institutionellen Großinvestoren gezeichnet, also von Versicherungen, Pensionskassen und Fonds. Privatanleger spielen praktisch keine Rolle.

Bei Ströer gingen gerade mal ein Prozent der ausgegebenen Aktien an Kleinanleger. Zurückhaltung ist auch ratsam: Tom Tailor und Tonkens Agrar liegen derzeit unter dem Ausgabepreis, bei Joyou hat sich nichts bewegt. Die Aktien von Kabel Deutschland kosten aktuell rund 25,35 Euro, immerhin ein Kursgewinn von gut 15 Prozent. Ähnlich sieht es bei Brenntag aus, die nach dem Ausgabepreis von 50 jetzt bei 59 Euro stehen.

In Deutschland könnte es bis zum Jahresende noch einige Börsengänge geben. Die Pipeline sei voll, sagt Julie Teigland von Ernst & Young. 15 bis 20 IPOs seien in Deutschland im dritten und vierten Quartal möglich.

Das Interesse der Kleinanleger dürfte nach Ansicht des Deutschen Aktieninstituts (DAI) nicht wesentlich zunehmen. „Das liegt allerdings auch daran, dass Kleinanlegern nicht viel angeboten wird. Das Werben um sie ist Firmen und Banken offenbar zu teuer,“ sagt DAI-Experte Franz-Josef Leven. Die Krise habe viele Anleger abgeschreckt. Leven kritisiert aber auch die Politik. „Die Regierung sieht den Aktionär derzeit eher als Spekulanten. Die Doppelbesteuerung auf Unternehmensgewinne und danach noch über die Abgeltungssteuer fördert nicht gerade die Aktienkultur.“

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