Wirtschaft : Börsengänge mit Rabatt

Kranhersteller Demag Cranes schafft nach Preisnachlass Kursgewinn / Absagen und Enttäuschungen

Henrik Mortsiefer,Henning Zander

Berlin - Einer der größten Börsengänge des Jahres ist am Freitag nur mit Abstrichen geglückt. Die Aktie des Industrie- und Hafenkranherstellers Demag Cranes stieg bis Handelsschluss um 1,8 Prozent auf 22,40 Euro. Zwischenzeitlich notierte die Aktie sogar bei 23,35 Euro. Der Ausgabepreis hatte bei 22 Euro gelegen; ursprünglich wollte Demag Cranes seine Aktien für bis zu 31 Euro verkaufen. Weil das aber für viele Investoren zu teuer war, hatte das Unternehmen den Preis gesenkt und die Anzahl der Aktien reduziert.

„Unsere Aktie war zweifach überzeichnet, damit sind wir sehr zufrieden“, sagte Konzernsprecher Nikolai Juchem dem Tagesspiegel. Demag Cranes ist neben Air Berlin und Wacker Chemie einer der größten Börsengänge des Jahres. Das Verkaufsvolumen beläuft sich auf 235,4 Millionen Euro.

Ursprünglich war der Börsengang für Dienstag geplant, wegen der mangelnden Nachfrage allerdings auf Freitag verlegt worden. „Mit dem niedrigeren Preis ist die Aktie für Anleger attraktiver geworden“, sagt Klaus Schneider, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). „Demag kann mit dem Debüt – mit Abstrichen – zufrieden sein“, sagte Stefan Chmielewski vom Brokerhaus Lang und Schwarz. Die vergleichsweise geringen Umsätze an der Börse deuteten darauf hin, dass viele Aktien an eher langfristig orientierte Investoren gegangen seien.

Die Schwierigkeiten des Kranherstellers zeigen, dass sich das Umfeld für Börsengänge deutlich verschlechtert hat. Zu Beginn des Jahres hatten Analysten für 2006 einen Rekord von Neuemissionen (IPO) vorhergesagt. Doch nun sei der Zeitpunkt für einen Börsengang nicht mehr optimal, sagte Carsten Klude, Chefvolkswirt der Investmentbank M.M. Warburg. „Im Augenblick ist die Unsicherheit am Markt sehr groß. Nur wenige Investoren lassen sich von Neuemissionen locken. Sie konzentrierten sich auf die vertrauten Blue Chips“, sagte Klude. Wenn sich der Markt nicht erhole und sich die schlechte Lage als Trend herausstelle, dann sehe er wenig Chancen für weitere Börsengänge. „Gerade kleinere IPOs werden es schwer haben“, sagte Klude. Allerdings hänge es in erster Linie vom jeweiligen Unternehmen ab, ob es Investoren überzeugen könne.

Die Kölner Immobiliengesellschaft Vivacon sagte am Freitag den Börsengang ihrer Wohnimmobilien-Tochter Vivacon German Properties (VGP) wegen mangelnder Nachfrage ab. Bereits am Dienstag hatte die Nanotechnologiefirma ItN Nanovation ihren IPO auf unbestimmte Zeit verschoben. Viele der im ersten Halbjahr an die Börse gegangenen Unternehmen haben mit zum Teil hohen Kursverlusten enttäuscht. So verloren die im streng regulierten Prime Standard notierten Berliner Firmen Air Berlin und Magix 23 beziehungsweise 54 Prozent.

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