Börsengänge von Internetunternehmen : Das Web 2.0 wird erwachsen

Die größten Web 2.0-Unternehmen der letzten Jahre drängen an die Börse. Rekordbewertungen durch Investoren könnten den Trend beschleunigen.

Florian Wittig
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg dürften die aktuelle Bewertungen seines Unternehmens freuen. Er ist der jüngste Milliardär aller Zeiten.
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg dürften die aktuelle Bewertungen seines Unternehmens freuen. Er ist der jüngste Milliardär aller...Foto: Reuters

Facebook

Kein Börsengang wird so heiß erwartet. Das größte soziale Netzwerk wird wohl demnächst 700 Millionen Nutzer erreichen und laut Prognosen im nächsten Jahr mit 100 Milliarden US-Dollar bewertet werden. Bereits 2007 kaufte Microsoft 1,6 Prozent der Anteile von Facebook für 240 Millionen US-Dollar und bewertete damit das Unternehmen indirekt mit 15 Milliarden Dollar. Viele Investoren reißen sich seit dem darum, auf dem nicht öffentlichen Markt Anteile an Facebook zu bekommen. Anfang des Jahres stieg beispielsweise auch die Investmentbank Goldman Sachs mit 450 Millionen Dollar ein. Die Bank will vor dem Börsengang noch weiteren Anlegern Anteile verschaffen.

Ein Börsengang wird für das Jahr 2012 erwartet.

LinkedIn

LinkedIn ist das größte soziale Netzwerk für Berufskontakte. In der letzten Woche ging das Unternehmen an die Börse. Der ursprüngliche Ausgabepreis für jede Aktie wurde schon vor dem eigentlichen Start erhöht und schoss dann nach Handelsstart auf über 100 US-Dollar. Das Geschäftsmodell von LinkedIn sind Premium-Services, die zusätzlich zum kostenlosen Profil gebucht werden können. Damit erzielte das Unternehmen einen Gewinn von 12 Millionen Dollar. Experten kritisieren unter anderem, dass viele Nutzer von LinkedIn die Website nicht allzu regelmäßig besuchen und dann auch nicht unbedingt viel Zeit darauf verbringen.

Trotzdem ist das Unternehmen mit rund 10 Milliarden Dollar mehr wert als die Lufthansa.

Twitter

Den Microblogging-Dienst Twitter nutzen mittlerweile mehr als 170 Millionen Menschen. Wie man mit diesen Nutzerzahlen Geld verdienen kann, war für die Firma immer eine schwierige Frage. Zum einen wollten sie die Seite nicht mit Werbung überladen, zum anderen gibt es eine Fülle von Apps und Diensten, mit denen die User Twitter nutzen. Die Entwickler dieser Programme suchen ebenfalls nach einem Geschäftsmodell, so dass sie selbst mit Twitter um Einnahmen konkurrieren. In jüngster Vergangenheit trat dieser Konflikt auch offen zutage.

Derzeit wird das Unternehmen mit 7,8 Milliarden US-Dollar bewertet, obwohl es nur 150 Millionen Dollar Profit macht. Ein Börsengang ist erst für das Jahr 2013 erwartet. Der Twitter-Gründer Biz Stone gab erst vor kurzem bekannt, dass die Firma im Moment genug Geld habe.

Groupon

Groupon bietet seinen Nutzern tägliche Sonderangebote in ihrer Umgebung. Kommt eine Mindestanzahl von Nutzern zusammen, gibt es Rabatte bei Massagen, Fastfood oder anderen Dienstleistungen. Das Unternehmen wurde erst 2008 gegründet, hat aber schon über eine Milliarde US-Dollar Kapital von verschiedenen Investoren bekommen. Der Börsengang des Unternehmens wird fast ebenso heiß erwartet wie der von Facebook, denn bereits jetzt erzielt Groupon jährliche Gewinne von drei bis vier Milliarden Dollar. Gerüchteweise sollte ein Börsengang bereits Ende 2011 stattfinden.

Groupon wird derzeit mit 25 Milliarden US-Dollar bewertet.

Zynga

Zynga ist der Entwickler bekannter Facebook-Spiele wie FarmVille oder Mafia Wars, die monatlich von 250 Millionen Nutzern gespielt werden. Das Unternehmen machte im vergangen Jahr mindestens 400 Millionen Dollar Gewinn durch so genannte Mikrotransaktionen, also den Verkauf von virtuellen Spiel-Gegenständen zu Kleinstbeträgen.
Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" könnte das Unternehmen schon in den nächsten Wochen an die Börse gehen. Über einen Börsengang wurde schon länger spekuliert. Die aktuellen guten Zahlen anderer Börsengänge wie von LinkedIn oder der russischen Suchmaschine Yandex könnten die Entscheidung aber beschleunigt haben.

Zyngas Bewertung liegt zwischen 8 und 10 Milliarden US-Dollar.

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