Börsengang : Air Berlin muss für Erfolg kämpfen

Die Landung an der Börse gelang erst mit fast einer Woche Verspätung. Doch als Air-Berlin-Chef Joachim Hunold heute auf dem Frankfurter Parkett den ersten Kurs seiner Aktie hörte, kam immerhin Beifall auf.

Frankfurt/Berlin - Mit 12,65 Euro notierten die Papiere zum Debüt über dem Ausgabepreis von 12 Euro - dann fiel der Kurs bis zum Nachmittag aber sogar unter dieses Niveau zurück. Die Aktie notierte zum Handelsschluss nur noch bei 11,25 Euro. Das entspricht einem Minus von 6,25 Prozent zum Ausgabekurs. Als Neuling am Kapitalmarkt muss sich die Nummer zwei im deutschen Luftverkehr nun unter verschärften Bedingungen behaupten. Denn so viel frisches Geld wie erhofft gab die Börse vorerst nicht her.

Beim Antrittsbesuch an der Börse brachte Hunold - begleitet von vier Stewardessen in roten Uniformen - ein steil in die Luft startendes Flugzeugmodell mit und posierte ebenso symbolträchtig vor der Bullen-Skulptur auf dem Vorplatz. «Sehr zufrieden» sei er mit der Premiere, lautete denn auch die Botschaft des 56-Jährigen. «Jetzt können wir in die Zukunft investieren und unsere Wachstumsziele umsetzen.» Nüchterner sahen das Börsenprofis. «Es war eine schwere Geburt, aber sie ist einigermaßen geglückt», meinte ein Händler.

Maximaler Erlös 510 Millionen

Damit die zweitgrößte deutsche Emission dieses Jahres über die Bühne gehen konnte, mussten Vorstand und begleitende Banken in den vergangenen Tagen ihre Erwartungen deutlich dämpfen - zu schleppend war die Nachfrage nach den neuen Luftfahrtaktien gewesen, die auch noch wegen steigender Ölpreise unter Druck gerieten. Notgedrungen wurde der eigentlich für vergangenen Freitag geplante Börsengang verschoben, der Kaufpreis gesenkt und die Zahl der angebotenen Aktien reduziert. Der Erlös beträgt dadurch jetzt noch maximal 510 Millionen Euro statt wie einst erhofft bis zu 872 Millionen Euro.

Im Konkurrenzkampf mit Rivalen von Lufthansa bis Easyjet bedeutet das einen geringeren Kraftschub für Air Berlin. Vom gesamten Erlös sollen 234,8 Millionen Euro ins Unternehmen fließen, wovon nach Abzug aller Kosten 194,8 Millionen Euro übrig bleiben - knapp 100 Millionen Euro weniger als gedacht. Die Wachstumsziele seien aber «überhaupt nicht gefährdet», versicherte Hunold. Neben dem Ausbau des Angebots nach Osteuropa und Skandinavien geht es vor allem um Geldzufuhr für bereits bestellte neue Maschinen, wo nun nachjustiert werden soll. «Wir werden in der Flugzeugfinanzierung etwas umstrukturieren, aber von unserem Wachstumspfad brauchen wir nicht abzugehen.»

"Viel Luft ist nicht in der Aktie"

Branchenexperten, die den ersten Anlauf an den Kapitalmarkt teils massiv kritisiert hatten, halten sich ein Urteil noch offen. «Der Start ist etwas verhalten verlaufen», sagte Fondsmanagerin Pia Hellbach von Union Investment. Man müsse der Aktie jedoch Zeit geben. Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler nannte den gesenkten Startpreis zwar vernünftig. «Viel Luft ist aber nicht in der Aktie.» Für die Anlegerstimmung hängt nun viel davon ab, dass bald positive Geschäftszahlen für das erste Quartal vorgelegt werden. Für 2005 stand auch wegen Sondereffekten ein Verlust von 116 Millionen Euro in den Büchern.

Auch Aktionärsschützer raten, erst einmal zu beobachten, wie die Börse die Aktie «einpreist». Dass die emotionale Werbekampagne für das spekulative Investment wohl nicht funktioniert habe, sei aber zu begrüßen, sagte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. An Privatanleger, die Anzeigen und Spots mit TV-Moderator Johannes B. Kerner vor allem erreichen sollten, gingen gerade einmal 10,2 Prozent der Aktien. (Von Sascha Meyer und Jenny Tobien, dpa)

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