Börsengang : Bahnchef will Namensaktien gegen "Heuschrecken"

Beim Börsengang der Deutschen Bahn will Bahnchef Mehdorn mit Hilfe von Namensaktien den Einfluss von Hedge-Fonds eindämmen. Die SPD erwägt unterdessen, die Bahnreform auf das nächste Jahr zu verschieben.

"Wir müssen respektieren, dass die Leute hierzulande Angst haben, unredliche Zeitgenossen könnten sich hinten herum der Bahn bemächtigen", sagte Mehdorn der "Wirtschaftswoche". "Bei Namensaktien gäbe es keine anonymen Spielchen", da sich bei solchen Papieren jeder Aktionär zu erkennen geben müsse. Da der Staat mit 51 Prozent die Mehrheit an der Bahn behalte, liege bei ihm auch die Entscheidung unter anderem über die Gewinnverwendung.

So genannte Volksaktien ohne Stimmrecht lehnte Mehdorn dagegen ab. Die Forderung nach diesen Vorzugsaktien war vor allem von SPD-Linken erhoben worden, um die Kontrolle des Staates über die Bahn zu erhalten.

Steinbrück gegen Volksaktien

Auch Finanzminister Steinbrück lehnt Volksaktien ab. In einem Papier des Finanzministeriums, dass Steinbrück am Montag im Parteivorstand vorlegen will, heißt es laut "Spiegel": "Ob eine stimmrechtslose Bahnaktie große Nachfrage auf sich ziehen und ein adäquates Volumen einspielen könnte, erscheint zweifelhaft." Auch könnte eine garantierte Verzinsung der Aktie von fünf Prozent, wie von den Befürwortern des Konzepts vorgeschlagen, dazu führen, dass die Bahn nicht genügend Geld für Investitionen übrig habe. Bei Verlusten wäre es sogar denkbar, dass der Mehrheitseigner Bund zuschießen müsste, um die Ansprüche der Aktionäre zu befriedigen.

Die SPD schließt inzwischen eine Verschiebung des Bundestagsbeschlusses zur Bahnreform auf das kommende Jahr nicht aus. "Wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen", sagte Fraktionschef Peter Struck der "Berliner Zeitung" vom Wochenende. Nach dem Beschluss des SPD-Parteitags Ende Oktober werde "sorgfältig und ausführlich" über die weiteren Schritte beraten.

Am Freitag hatte der Bundestag über die Bahnreform debattiert. Abgeordnete von SPD und Union wandten sich bei der ersten Lesung des Privatisierungsgesetzes gegen das Projekt und forderten umfangreiche Nachbesserungen. Sie fürchten, dass die Bahn zu stark an Profitinteressen ausgerichtet werden könnte und so unrentable Strecken stillgelegt werden könnten. Dem trat Bahnchef Mehdorn nun erneut entgegen. "Für Streckenstilllegungen sind wir kraft Gesetz schon überhaupt nicht zuständig. Stilllegungen muss eine Bundesbehörde, das Eisenbahnbundesamt, genehmigen", sagte der Bahnchef in der "Wirtschaftswoche". (svo/dpa/AFP)

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