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Börsengang bringt 1,6 Milliarden Euro : Rocket Internet sahnt ab

Es ist der größte Börsengang einer europäischen Internet-Firma in diesem Jahrhundert. Doch die Euphorie verfliegt nach dem Handelsauftakt schnell.

Oliver Samwer durfte am Donnerstag beim Handelsauftakt die Glocke für Rocket Internet läuten.
Oliver Samwer durfte am Donnerstag beim Handelsauftakt die Glocke für Rocket Internet läuten.Foto: reuters

Nur einen Tag nach dem Online-Modehändler Zalando hat die Start-up-Schmiede Rocket Internet am Donnerstag ihr Börsendebüt gegeben. Der erste offizielle Kurs wurde um 09.22 Uhr mit 42,50 Euro angegeben - genau dem Ausgabepreis, den das Unternehmen am Mittwochabend bekannt gegeben hatte. In den ersten Handelsminuten verlor die Aktie allerdings mehr als zehn Prozent und rutschte auf 38 Euro ab, dann legte sie wieder ein wenig zu. Am Ende landete die Aktie trotz zwischenzeitlicher Erholung bei 37 Euro.

Dennoch reizt das von den Start-up-Investoren Oliver, Marc und Alexander Samwer dominierte Unternehmen die Preisspanne voll aus und nimmt mit dem Börsengang 1,6 Milliarden Euro ein. Rocket hätte nach eigenen Angaben zu diesem Preis auch mehr als das Zehnfache der 37,9 Millionen angebotenen Papiere losschlagen können. Es ist der größte Börsengang eines Internet-Unternehmens in Europa seit dem Boom-Jahr 2000 und die größte Neuemission in Deutschland seit sieben Jahren.

Gedränge auf dem Parkett: Der Rocket-Börsengang ist das Ereignis des Jahres in Frankfurt am Main.
Gedränge auf dem Parkett: Der Rocket-Börsengang ist das Ereignis des Jahres in Frankfurt am Main.Foto: Reuters

Der Börsengang des Versandhändlers Zalando, an dem die Samwer-Brüder ebenfalls beteiligt sind, verlief gestern enttäuschend. Nach einem furiosen Start fiel das Papier im Laufe des Tages wieder zurück.


Der nun festgelegte Preis für eine Aktie bewertet Rocket Internet insgesamt mit 6,7 Milliarden Euro. Bis zu 24 Prozent der Anteile sind künftig in den Händen von neuen Investoren.
Feste Aktienorders über knapp 600 Millionen Euro hatte Rocket schon vor Beginn der Zeichnungsfrist in der Tasche. Organisiert wird der Börsengang von Berenberg, JPMorgan und Morgan Stanley.

Dem Unternehmen hängt der Ruf nach, keine eigenen Ideen zu haben

Die Holding gründet vor allem in Schwellenländern wie Indien und Brasilien wie am Fließband Online-Dienstleister - vom Möbelhändler bis zum Taxi-Dienst. Rocket bedient sich dabei Geschäftsmodellen, die andere Startup-Unternehmer etwa in den USA schon mit Erfolg erprobt haben. Die Rocket-Firmen, die im Schnitt erst zwei Jahre alt sind, schreiben in der Regel aber noch hohe Verluste. Mit dem Börsengang hat Rocket mehr als zwei Milliarden Euro auf der hohen Kante.
Oliver Samwer will künftig die neu gegründeten Unternehmen bei Erfolg auf Dauer behalten und nicht mehr wie bisher rasch Anteile an andere finanzkräftigere Investoren abgeben. “Ich bin davon überzeugt, dass Rocket überaus gut positioniert ist, um die Wachstumschancen des Internethandels vor allem in den aufstrebenden Märkten zu nutzen und die führende Internetplattform außerhalb der USA und Chinas zu werden“, sagte Samwer. Er und seine beiden Brüder geben ebenso wie die anderen Alt-Eigentümer beim Börsengang keine Anteile ab. Die Beteiligung des Global Founders Fund der Samwers wird aber auf knapp unter 40 von 52 Prozent verwässert. Der schwedische Internet-Investor Kinnevik hält künftig noch 14 Prozent. (rtr)


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