Wirtschaft : Börsengang der Deutschen Post: Der Chef bevorzugt die leisen Töne

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Klaus Zumwinkel taugt nicht zum Star. Wenn in den kommenden Wochen die Kameras auf den Börsenneuling Post gerichtet werden, dann wird sich der Chef des Logistikkonzerns im Hintergrund halten. Denn das telegene Lächeln und die Allüren vieler Vorstände sind Zumwinkels Sache nie gewesen. Der 56-Jährige Rheinländer, Sohn eines Unternehmers und ausgebildeter Betriebswirt, bevorzugt die leiseren Töne. Mit Erfolg: Geschickt zog er die mächtige Postgewerkschaft auf seine Seite, als es galt, die plumpe Postbehörde ohne überbordenden Protest von 130 000 überflüssigen Stellen zu befreien. Und klug lavierte er den Brieftanker durch alle politischen Schwierigkeiten in der Bundesregierung und der Europäischen Kommission. Seinen Mitarbeitern erwies sich Zumwinkel dennoch als in der Sache harter Boss. Nie ließ er das Ziel aus den Augen, die Post vom Subventionsriesen zum profitorientierten Konzern umzubauen. Respekt zollt dem Manager selbst die Konkurrenz. Beinahe behutsam, und doch in keinem Moment zögerlich, sammelte Zumwinkel in den vergangenen Jahren in Europa und zuletzt auch in Übersee Unternehmensbeteiligungen, die aus einem deutschen einen internationalen Konzern gemacht haben. Vielleicht war es dabei gerade seine zurückhaltende und verlässliche Art, die ihm das Vertrauen der Eigentümer der Logistikfirmen einbrachten, mit denen er die Deutsche Post World Net schuf. Gelernt hat Zumwinkel sein Geschäft im Familienbetrieb, den er mit 28 Jahren vom Vater übernahm und später gewinnbringend verkaufte. Danach begann er eine Karriere beim Unternehmensberater McKinsey, wo er es bis zum Partner und Direktor schaffte. 1984 beauftragte ihn Grete Schickedanz mit der Sanierung des Quelle-Konzerns, den er bis 1989 aus der Verlustzone heraus geholt hatte und sich damit letztlich zum Vorstandschef der Post empfahl.

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