Wirtschaft : Börsengang der Deutschen Post: Nummer 555 200 - Fertig machen zum Start

Antje Sirleschtov

Das Papier mit der Nummer 555 200 soll eine Volksaktie werden - so, wie Volkswagen, Lufthansa und zuletzt die Telekom auch. Wenn Finanzminister Hans Eichel (SPD) morgen in sieben europäischen Ländern die zweieinhalbwöchige Zeichnungsfrist für die "Aktie Gelb" eröffnet, dann hofft der Eigentümer der Deutschen Post AG, dass sich tausende Privatanleger und Fondsmanager um das Logistikpapier reißen werden.

Damit des Ministers Hoffnungen nicht enttäuscht werden, hat das Bankenkonsortium, das die "Aktie Gelb" am 20. November aufs Parkett begleiten wird, die so genannte Bookbuildingspanne auf 18 bis 23 Euro festlegt, wie das Unternehmen am Sonnabend mitteilte. Das entspricht den Preiserwartungen der meisten Analysten. Die Spanne soll auch die Hoffnungen der Post und ihrer Eigentümer widerspiegeln, dass genügend Börseninteressenten ihr Geld in die Post investieren, auch wenn die Stimmung an den Märkten derzeit alles andere als rosig ist.

Von Montag an wird sich also zeigen, wie groß das Vertrauen der Anleger in Deutschlands gelbe Postillione wirklich ist. Der Post-Eigentümer Bund will 25 Prozent der insgesamt rund 1,11 Milliarden Post-Aktien und damit rund 278,2 Millionen Papiere am Markt verkaufen. Hinzu kommt noch eine Mehrzuteilungsreserve (Greenshoe) von bis zu 41,73 Millionen Papieren. Aus der Preisspanne ergibt sich bei voller Ausübung des Greenshoes ein voraussichtliches Emissionsvolumen von 5,8 bis 7,4 Milliarden Euro. Der Preis der "Aktie Gelb" soll dann am 19. November verkündet werden, einen Tag später ist die Aufnahme in den Amtlichen Handel der Frankfurter Börse geplant. Analysten gehen davon aus, dass der Titel zu einem Preis um die 20 Euro zugeteilt wird.

Besonderes Marketing-Schmankerl des Staatskonzerns ist ein Rabatt für private Frühzeichner, für die die Orderfrist am 10. November endet, und ein Bonus für das Halten der Post-Papiere. Schon die Telekom hatte diese Anreize 1996 genutzt und sich damit unter den deutschen Privatanlegern zu beliebt gemacht. Frühzeichner sollen demnach einen Rabatt von 0,50 Euro auf den Ausgabepreis erhalten. Nach zwei Jahren soll es zudem kostenlose Bonusaktien geben. Für je 15 gezeichnete und erworbene Aktien soll es dann jeweils eine Treue-Aktie geben.

Bereits im Vorfeld der Zeichnungsfrist hatten Experten Anlegern zugeraten, die Aktie zu zeichnen, wenn sie weniger als 20 Euro inklusive Rabatt kostet. So sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler, dass ein solches Niveau dem Papier voraussichtlich noch ein Wachstumspotenzial von zehn bis 20 Prozent offenhält. Kaufen oder lieber abwarten - diese Frage muss jeder Interessent allein entscheiden. Wer Informationen über den deutschen Logistiker braucht, oder den vorläufigen Börsenprospekt der Post auf Risiken abklopfen will, der findet Informationen unter www.postag.de .

Grundsätzlich sind sich Analysten und Aktienfachblätter bei der Bewertung des gewichtigsten Börsenganges in Deutschland seit der T-Aktie der Deutschen Telekom vor vier Jahren völlig uneins. Hochachtungsvoll loben sie einerseits die unternehmerische Stringenz, mit der das Postmanagement aus der muffigen gelben Briefpost ein international agierendes Unternehmen geschaffen hat, dem Experten sogar eine gewichtige Rolle im weltweiten Logistikmarkt zusprechen. Und verachtend weisen sie gleichzeitig darauf hin, dass sich die deutsche Staatspost bis heute hinter dem schützenden Segel des Briefmonopols versteckt.

Während Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel von einer "ausgezeichneten Investitionsmöglichkeit" spricht und die Zukunft des Konzerns in rosigen Farben als globale Nummer eins im Logistiksektor malt, warnt etwa die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), dies müsse die Post erst noch beweisen. Die Aktien-Werbung suggeriere zwar bereits eine führende Position auf diesem Zukunftsmarkt, was aber noch längst nicht der Fall sei. Zunächst müssten erst die vielen Zukäufe integriert werden. "Die Post-Aktie gehört nicht zu den Papieren, die man unbedingt zeichnen muss", krittelt DSW-Sprecher Jürgen Kurz. Der Anleger solle abwarten, wie sich der Konzern im Markt entwickele. Kurzfristig werde es wohl einige Kursfantasie geben, auch weil die Aktie beste Chancen hat, noch in den kommenden Monaten in den Dax und damit in die Fonds-Portfolios aufgenommen zu werden. Es bestehe aber die Gefahr, dass "der Kurs vor sich hindümpelt", wenn die Post die neuen Herausforderungen im harten Logistikmarkt und die Risiken für ihr künftiges Briefgeschäft, bisher die "Geldmaschine", nicht überzeugend bewältige. Der Verband der Postbenutzer (DVPT) warnt sogar, dass die Post dieses Risiko in ihrer Werbekampagne "nicht erwähnt oder bagatellisiert". Wenn beispielsweise das Briefmonopol 2002 falle, würden auch Preise und Gewinne absacken.

Eines scheint sicher: Die Post-Aktien wird weniger ein Zocker-Papier als eine Anlage für solide Langzeit-Anleger sein. Zwar werden Post, Bund und die beteiligten Banken alles für einen möglichst fulminanten Börsenstart tun, doch das eigentliche Geschäft der Deutschen Post ist trotz der inzwischen erreichten Größe des Konzerns eher renditeschwach.

Geld bleibt vorerst nur im nationalen Brieftransport hängen. Der Post-Chef Klaus Zumwikel setzt alles daran, seine Abhängigkeit von dieser Sparte zu verringern, um für die Zeit nach dem Monopol gerüstet zu sein. Das Paketgeschäft hat es allerdings gerade erst aus der Verlustzone geschafft, und der Bereich Finanzdienstleistungen taugt bisher kaum zum Hoffnungsträger.

Einen Boom erwarten darf die gelbe Post einzig in der Logistiksparte: Der Welthandel wächst schneller als das Bruttoinlandsprodukt und Trends wie E-Commerce lassen den Warentransport stark wachsen. Unternehmen in aller Welt gehen verstärkt dazu über, das gesamte Warenmanagement an Profis wie die Post auszugliedern, die dann Bestellwesen, Lagerverwaltung, Einpacken und Ausliefern der Ware sowie das Rechnungswesen übernehmen. Doch noch sind die Margen in diesem Geschäft gering.

Handicap für die Post sind gewiss auch die laufenden Wettbewerbsverfahren in Brüssel. Die EU-Wettbewerbskommission könnte Millionenbußen gegen die Preis- und Rabattpolitik des Unternehmens verhängen und der "Aktie Gelb" damit zumindest einen Image-Dämpfer verpassen. Doch die Branche traut Klaus Zumwinkel zu, auch dieses Kohlen aus dem Feuer zu holen. Denn das wackelige Image, das die Post noch vor Monaten umgab, besserte der Postchef durch eine breit angelegte Werbekampagne mit den Gebrüdern Gottschalk auf. Mehr als 670 000 Interessenten haben sich immerhin schon bei der Post als Anleger registrieren lassen. Und von rund 244 000 Postlern haben mehr als 117 000 im Rahmen des Beteiligungsprogramms das Papier gezeichnet.

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