Wirtschaft : Börsengang der Post: Ein solider Start für die Aktie Gelb

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Die "Aktie Gelb" ist am Montag an der Börse in Frankfurt mit einem Kurs von 21,40 Euro und damit knapp über dem Ausgabekurs von 21 Euro gestartet. Vorstandschef Klaus Zumwinkel, Bundesfinanzminister Hans Eichel sowie die am Börsengang der Deutsche Post World Net AG beteiligten Banken waren damit angesichts des derzeit unsicheren Börsenumfelds zufrieden. Im Laufe des Tages pendelte der Kurs zwischen 20,90 und 22,10 Euro und lag am frühen Abend bei 21,50 Euro.

Allerdings waren Börsianer schon vor dem Börsenstart der Post-Aktie nicht euphorisch gestimmt. Allein schon wegen des über den Erwartungen festgelegten Emissionspreises sahen sie kurzfristig wenig Spielraum nach oben. Von den Bären - den Pessimisten an der Börse - wollten am Montag in der Frankfurter Börse natürlich weder der Finanzminister, der Post-Chef noch die Banker etwas wissen. "Der Bulle steht vor der Tür - und seine Farbe ist gelb", sagte Zumwinkel in Anspielung auf die 150 auf dem Börsenvorplatz aufgereihten gelben Bullen. Er sei mit dem Start sehr zufrieden.

Im Laufe des Tages verfestigte sich bei den Händlern allerdings der Eindruck, dass der Kurs der Post-Aktie, die möglicherweise schon im März in den Deutschen Aktienindex der wichtigsten 30 Aktien aufgenommen wird, von den Banken gestützt wurde. Dafür sprach auch das hohe Handelsvolumen des Papiers. Bis zum Mittag hatten schon über 50 Millionen Postaktien ihre Besitzer gewechselt. "Selbstverständlich werden wir uns auch unserer Verantwortung gerecht zeigen", hatte Deutsche Bank-Vorstand Josef Ackermann schon zuvor betont.

Noch wichtiger als der erste Kurs, sagte Zumwinkel, sei für ihn, dass die Emission achtfach überzeichnet gewesen sei und allein Privatanleger aus dem In- und Ausland rund 450 Millionen Post-Aktien gezeichnet hätten. Insgesamt waren bei der Emission weltweit rund 2,2 Millionen Aktien nachgefragt worden. Bis zu 320 Millionen Post-Aktien und damit insgesamt rund 29 Prozent des Kapitals wurden an der Börse platziert. Rund 50 Prozent gingen an Privatanleger in Europa, die - sofern sie früh gezeichnet hatten - mit einem Rabatt von 0,50 Euro belohnt wurden und am Montag zeitweise Zeichnungsgewinne von einem Euro und mehr mitnehmen konnten.

Auch Finanzminister Hans Eichel freute sich über den "gelungenen" Börsenstart der Aktie Gelb und darüber, dass ihm die Emission umgerechnet rund 12,8 Milliarden Mark in die Kasse spült. Davon hat er allerdings bereits Ende des vergangenen Jahres etwa ein Drittel von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) erhalten. Sie hat damals 50 Prozent minus 26 Aktien des Grundkapitals der Post vom Bund übernommen und davon jetzt 57 Prozent an die Börse gebracht.

Mit einem Erlös von 6,6 Milliarden Euro ist der Börsengang der Post hierzulande nach der Privatisierung der Telekom vor vier Jahren die zweitgrößte Privatisierung durch einen Börsengang überhaupt. Wann es zu weiteren Privatisierungsschritten der Post kommt, ist zwar noch offen. Dass sie kommen, ist allerdings sicher. "Unser Ziel ist perspektivisch die völlige Privatisierung der Post", sagte Eichel. Sie könne sich nicht zu einem weltweit tätigen Konzern entwickeln, wenn der Bund die Mehrheit behalte. Nach Ansicht von Deutschbanker Josef Ackermann ist der Börsengang der Post ein "Meilenstein in der Entwicklung des deutschen und europäischen Kapitalmarktes". Alle Konsortialbanken mit UBS Warburg und der Deutschen Bank an der Spitze hätten allergrößte Anstrengungen unternommen, um die Transaktion zu einem Erfolg zu machen. Der Börsengang zeige eindrucksvoll, dass eine sorgfältig vorbereitete Emission auch in schwierigen Zeiten erfolgreich platziert werden könne.

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