Wirtschaft : Börsengang der Post: "Gottschalk-Brüder sind gut angekommen"

Die Post-Aktie ist nur knapp über dem Ausgabe

Die Post-Aktie ist nur knapp über dem Ausgabekurs gestartet. Sind Sie enttäuscht?

Nein, es war nicht zu erwarten, dass das Papier mit einem hohen Aufschlag - wie das bei vielen anderen Emissionen der Fall war - in den Handel geht. Dafür ist das Börsenumfeld derzeit zu schlecht, und die Risiken der Aktie sind zu groß.

Welche Risiken haben Sie besonders im Auge?

Über der Post schwebt der Wegfall des Briefmonopols in Deutschland Anfang 2003. Zudem könnte die Diskussion über die Höhe des Briefportos die Aktie belasten. Das Porto ist mit 1,10 Mark im europäischen Vergleich recht hoch und die EU-Kommission prüft, ob die Post hier eine Monopolstellung ausnutzt. Ein weiteres Risiko besteht darin, dass die Post die rund 60 neu erworbenen Firmen integrieren muss; das dürfte erfahrungsgemäß aber bei einigen mit Schwierigkeiten verbunden sein. Und viertens wird der Post vor dem Hintergrund der EU-Beihilferegelung vorgeworfen, mit ihren Erträgen aus dem Briefbereich subventioniere sie den Paketdienst.

Diese Risiken sind aber doch bekannt.

Sicher, aber sie sind noch nicht in Mark und Pfennig zu berechnen. Diese Unsicherheit führt zu Zurückhaltung an der Börse. Zudem war ein etwas niedrigerer Ausgabekurs von 20 Euro erwartet worden.

War angesichts der seit Wochen schwachen Börse die achtfache Überzeichnung nicht überraschend?

Nein. Der Postvorstand hat eine gute Road-show veranstaltet - diese ist von den institutionellen Investoren positiv aufgenommen worden. Und bei den Privatanlegern ist die Werbung mit den Gottschalk-Brüdern gut angekommen.

Wie haben Sie denn die "Aktie Gelb" eingestuft?

Wir arbeiten derzeit an einer Studie und schwanken noch zwischen "halten" und "akkumulieren". Das heißt, wir geben der Aktie Potenzial nach oben, das ist aber begrenzt und eher langfristig zu sehen. Ein konkretes Kursziel möchte ich noch nicht geben. Die Aussicht auf die Aufnahme in den Deutschen Aktienindex (Dax) im kommenden März liefert dem Kurs sicher Unterstützung. Ein Highflyer für den schnellen Gewinn ist sie aber nicht.

Post-Chef Zumwinkel betont immer wieder, dass man international gut aufgestellt sei. Sehen Sie das auch so?

Tatsächlich ist die Post mit ihren vielen Firmenkäufen international positioniert, daran besteht kein Zweifel. Aber wie sie sich gegen starke Konkurrenten wie beispielsweise den US-Konzern UPS am Markt durchsetzen kann, das muss man noch abwarten.

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