Wirtschaft : Börsengang des Fernsehens

THOMAS MAGENHEIM-HÖRMANN

Pro 7 kann sich mit seinen Zahlen durchaus sehen lassen VON THOMAS MAGENHEIM-HÖRMANN

München.Geübte Fernsehzuschauer wissen, was der eilige Börsenprofi im Werbespot dem wissensdurstigen Taxifahrer rät."Pro 7 Media AG, hervorragend positioniert, solides Wachstumspotential, erstes deutsches Fernsehunternehmen an der Börse," lautet der kleine Tip des Aktienexperten aus der TV-Werbung.Es kommt nicht gerade oft vor, daß ein Börsenneuling die Werbemacht eines eigenen Fernsehsenders nutzen kann, um für seine Aktie Stimmung zu machen. Bei Pro 7 ist indessen vieles etwas anders.Wenn es um die Bilanz geht, weist Pro-7-Chef Georg Kofler jeglichen Verdacht von Zahlenspielerei entschieden von sich.Von der Symboltracht des Datums 7.7.hat aber auch er sich leiten lassen.An diesem Tag soll das Pro-7-Papier in der Tat als erste TV-Aktie Deutschlands erstmals notiert werden.Am 23.Juni will der Parkett-Neuling in spe die Preisspanne für seine Aktie und weitere Details bekanntgeben.Gerechnet wird mit einem Emissionspreis zwischen 62 und 80 DM.Und zumindest die Rahmendaten können sich durchaus sehen lassen.Mit einem Marktanteil von 9,5 Prozent ist Pro 7 mit seinen 1200 Mitarbeitern die Nummer fünf unter Deutschlands TV-Sendern.Pro-7-Tochter Kabel 1 bringt es als Nummer sieben auf weitere 3,6 Prozent.Weil die Kernzielgruppe des selbsternannten "Medienhauses mit Phantasie" jugendlich ist und das die Werbewirtschaft beeindruckt, kann sich Pro 7 vom Werbekuchen ein überdurchschnittliches Stück abschneiden.Mit 24,2 Prozent Anteil am TV-Werbeumsatz rangiert die seit 1989 sendende Münchner Gruppe hinter RTL und mit Sat 1.Das mündete 1996 bei einem Umsatz von 1,7 Mrd.DM in einem Jahresüberschuß von 169 Mill.DM. Neben RTL ist Pro 7 der einzige deutsche TV-Sender, der konstant in den schwarzen Zahlen operiert und das profitabelste TV-Unternehmen überhaupt.Die Höhe des Vorjahresgewinns geht aber zum guten Teil auf die einmalige Nutzung von Verlustvorträgen der Tochter Kabel 1 zurück.Für 1997 schätzen Experten noch gut 100 Mill.DM Jahresüberschuß.Auf lange Sicht gesehen wird Pro 7 von seinem kreativen Top-Management profitieren sowie von der Tatsache, daß der Sender über einen hochwertigen Programmvorrat bis über das Jahr 2000 verfüge, wirbt die BHF-Bank, Konsortialführer der Emissionsbanken. Der Programmvorrat des auf Spielfilme spezialisierten Senders war zuletzt aber auch ein Angriffspunkt.Für Filme fungiert als Hauptlieferant die Kirch-Gruppe, die von Medienmogul Leo Kirch beherrscht wird.Pro 7 steht unter der Fuchtel seines Sohns Thomas Kirch.Denn an die Börse gehen nur stimmrechtslose Vorzugsaktien.Kirch junior hält 60 Prozent der Stammaktien, den Rest das Handelshaus Rewe.Für den Börsengang und die Zukunft von Pro 7 könnten die Familienbande relevant sein, weil Vater Kirch mit seinem Digitalfernsehen DF 1 derzeit ein allgemein als hochspekulativ und riskant erachtetes Geschäft angeht.Angebliche Finanznöte der Kirch-Gruppe wurden bislang zwar immer wieder heftig dementiert.Falls es beim Digital-Fernsehen allerdings einmal wirklich prekär werden sollte, könnte Pro-7-Lieferant Kirch senior gezwungen sein, seine Filmhandelspreise kräftig zu erhöhen."Wir sind nicht von Leo Kirch abhängig," stellt dazu Pro-7-Chef Kofler klar.1999 will Kofler 2 Mrd.DM Umsatz einspielen.Noch vor dem Jahr 2000 sei eine Kapitalerhöhung möglich, die auch Stammaktien unter das Publikum bringen soll.Bis zur Jahrtausendwende sieht er "die Renditen weitgehend finanziert". Optimismus verbreiten auch BHF-Analysten.Sie prognostizieren für 1997 eine Dividende von 40 Pfennig je 5-DM-Aktie.1998 sehen sie die Ausschüttung bei 1,50 DM.

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