Börsengang : Die Scheichs trauen der Bahn nicht

Die Bahn sucht Investoren für den Börsengang. Bei Staatsfonds im Nahen Osten weckt das Unternehmen derzeit wenig Interesse. Jetzt wittern Investmentbanken ihre Chancen.

M. Backfisch,C. Schnell

Dubai/Frankfurt am Main - Der Börsengang der Deutschen Bahn entwickelt sich ein Vierteljahr vor der geplanten Erstnotiz zum Kampf um Investoren und Mandate. Das Unternehmen stößt bei Banken und Staatsfonds im Nahen Osten auf gedämpftes Interesse. Zugleich rangeln im Hintergrund weiter zahlreiche Investmentbanken um Aufträge, den mit einem Volumen von mindestens fünf Milliarden Euro größten Börsengang in Deutschland seit dem Jahr 2000 zu begleiten.

Die ersten Gespräche mit Investoren aus dem Nahen Osten liefen eher verhalten. „Das können wir uns nicht vorstellen: Die Bahn ist ein extrem politisch getriebenes Unternehmen und viel zu komplex“, sagte ein Top- Investmentbanker aus einem der größten Finanzinstitute der Region dem „Handelsblatt“. Negativ sei zudem der starke Einfluss der Gewerkschaften sowie die im Vergleich zu Firmen am Persischen Golf niedrige Rendite. Allerdings habe es ein Gespräch zwischen dem Staatsfonds Abu Dhabi Investment Council und einer großen westlichen Investmentbank gegeben, hieß es in Finanzkreisen.

Die Deutsche Bahn hatte Mitte Juli das Gespräch mit Staatsfonds aus dem Nahen Osten über eine Kapitalbeteiligung gesucht. Die Länder der Arabischen Halbinsel schwimmen wegen der hohen Öleinnahmen in Petrodollar. Ein Großteil davon fließt an Staatsfonds, die weltweit nach lukrativen Anlagen suchen. Die Mubadala Development Company, der Investmentarm des Emirats Abu Dhabi, erteilte allerdings Spekulationen eine klare Absage. „Wenn wir bei einem Bahn-Projekt einsteigen, dann nicht in Deutschland, sondern hier in der Region“, sagte ein hochrangiger Manager, der mehr als zehn Milliarden Dollar verwaltet.

Der Staatsfonds Dubai International Capital (DIC) aus dem Nachbar-Emirat kann sich ebenfalls nicht für eine Bahn- Beteiligung erwärmen. „Für uns wäre das ein viel zu großer Kapitalaufwand mit ungewissem Ausgang“, hieß es bei dem Fonds, der über ein Portfolio von rund zehn Milliarden Dollar verfügt. DIC hält unter anderem Anteile an der Deutschen Bank und an der britischen HSBC.

Die Abu Dhabi Investment Authority (ADIA), mit einem geschätzten Vermögen von 875 Milliarden Dollar größter Staatsfonds der Welt, wollte einen möglichen Einstieg nicht kommentieren. Investmentbanker beurteilten die Chancen jedoch skeptisch. So habe ein Finanzhaus dem Fonds vor vier Monaten eine Beteiligung am Hamburger Logistikunternehmen Hapag-Lloyd angeboten. Die Manager hätten jedoch abgewunken. Die Kuwait Investment Authority, mit einem Finanzvolumen von 250 Milliarden Dollar der fünftgrößte Staatsfonds der Welt, habe keine Gespräche mit der Bahn geführt, hieß es im Umfeld des Fonds.

Angesichts des gedämpften Interesses der Scheichs rechnen sich nun weitere Investmentbanken Chancen aus, auf den Zug an die Börse aufzuspringen. Sie werben bei der Bahn mit ihren Kontakten zu Investoren. Der Konzern hat sein offizielles Bewerberverfahren eröffnet. Bisher führen Morgan Stanley, Deutsche Bank, UBS, Goldman Sachs und die Dresdner Bank den Börsengang als Konsortialbanken durch. Obwohl die besten Plätze damit besetzt sind, gelten die Mandate dahinter, die nach Ansicht aus Finanzkreisen in den kommenden zwei bis drei Wochen vergeben werden, als attraktiv. Kandidaten sind Finanzkreisen zufolge die Citigroup, Credit Suisse, HSBC und Sal. Oppenheim. „Banken, die zum Zuge kommen wollen, müssten Kriterien wie ein angesehenes Research, hohe Vertriebskompetenz, partnerschaftliche Zusammenarbeit im Konsortium, Reputation bei der Kurspflege nach der Erstnotiz und Unabhängigkeit besitzen“, sagt Hanns-Alexander Klemm, Chef der Investmentbank Cazenove in Frankfurt. HB

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