Börsengang : Mehdorn beschuldigt Rechnungshof

Bahn-Chef Mehdorn hat den Bundesrechnungshof beschuldigt, mit seiner Rüge, die Bahn halte ihr Netz nicht instand, den Börsengang des Konzerns torpedieren zu wollen. Zudem seien die Mängel "Einzelfälle".

München - Die Deutsche Bahn (DB) hat die Kritik des Bundesrechungshofes am mangelhaften Zustand des Schienennetzes laut einem Zeitungsbericht zurückgewiesen und den Spieß umgedreht: DB-Vorstandschef Hartmut Mehdorn unterstelle dem Rechnungshof, es gehe diesem gar nicht um die Sache, sondern vielmehr darum, den geplanten Börsengang zu Bahn zu torpedieren, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". In einem Brief, welcher der Zeitung vorlag, schrieb der Bahn-Chef demnach, die Vorwürfe des Bundesrechungshofes - und besonders der Zeitpunkt, zu dem sie an die Medien weitergegeben worden seien - "lassen den Versuch einer Einflussnahme auf das laufende Privatisierungsverfahren vermuten".

Der Bundesrechnungshof (BRH) hatte in einem Entwurf für einen Prüfbericht, der vor wenigen Tagen an die Öffentlichkeit gelangt war, zahlreiche Mängel beim Schienennetz aufgelistet. Die Bahn habe von 2001 bis 2005 insgesamt knapp 1,5 Milliarden Euro zu wenig in die Instandhaltung der Gleise, Weichen, Brücken und Signale investiert. Das führe zu Verspätungen und könne im Extremfall die Sicherheit des Zugverkehrs beeinträchtigen, hieß es in dem Entwurf. Außer an Geld mangele es auch an Mitarbeitern für die Wartung des Netzes.

Mehdorn erwiderte laut "SZ" in seinem Brief an das Verkehrsministerium, die vom Rechnungshof geschilderten Mängel seien "Einzelfälle", die das Eisenbahn-Bundesamt als Aufsichtsbehörde aufgegriffen habe. Die "Funktionsfähigkeit" des Netzes sei nicht gefährdet. Die Bahn sei jedem Hinweis der Aufsichtsbehörde nachgegangen und habe getan, was nötig war, um die Mängel zu beheben. Die Kritik des BRH sei nicht berechtigt; von einer Vernachlässigung des Netzes könne keine Rede sein. (tso/AFP)

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