Wirtschaft : Börsengang: Orange muss es ausbaden

Corinna Visser

Der Börsengang von Orange droht zum Flop zu werden. France Télécom musste jetzt den Preis für die Aktie der Mobilfunktochter reduzieren, um nicht auf den Papieren sitzen zu bleiben. Auch wenn der Wettbewerb in der Branche besonders hart ist, kaum ein Orange-Konkurrent wird sich über die geringe Nachfrage freuen können. Denn die Mobilfunkunternehmen sind fast alle in einer ähnlichen Situation. Sie haben viele Milliarden Euro in die mobile Multimediazukunft gesteckt und jetzt brauchen sie das Geld der Anleger, um diese Zukunft auch gestalten zu können. Denn bevor sie mit den UMTS-Netzen einen Pfennig verdienen können, müssen die Netze erst einmal gebaut, Produkte und Dienstleistungen entwickelt werden. Am Schluss muss auch der Kunde noch mitspielen und sich für den neuen Service begeistern. Anleger, die hier investieren, brauchen also Geduld und Zuversicht. Doch beides fehlt offenbar - vor allem bei den institutionellen Anlegern, also bei Banken, Fondsgesellschaften und Versicherungen. Sie haben signalisiert, dass France Télécom den Preis für die Orange-Aktie zu hoch angesetzt hatte. Sie verlangen einen günstigen Preis, der auch Spielraum nach oben hat, um den Einstieg in die riskante Mobilfunkbranche vor ihren eigenen Investoren rechtfertigen zu können. Die Telekom-Konzerne, die sich mit ihren Investitionen in den Mobilfunk hoch verschuldet haben, sind erpressbar geworden. Vor allem British Telecom steht unter Druck, die eigene Mobilfunksparte an die Börse zu bringen, um die Schuldenlast von rund 90 Milliarden Mark zu senken. Die Deutsche Telekom ist dagegen in einer komfortableren Position, sie kann es sich leisten, noch einige Zeit auf ein besseres Börsenklima zu warten.

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