Börsengang : Zynga nimmt eine Milliarde Dollar ein

Die Online-Spielefirma aus USA geht an die Börse. Ein wichtiger Testlauf für Facebook. Der Berliner Zynga-Konkurrent Wooga hat derzeit kein Interesse an einem Verkauf.

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Reiche Ernte. Farmville ist eines der beliebtesten Zynga-Spiele. Das Spielen ist kostenlos. Für virtuelle Güter, wie etwa einen Traktor, muss man aber zahlen. Foto: promo
Reiche Ernte. Farmville ist eines der beliebtesten Zynga-Spiele. Das Spielen ist kostenlos. Für virtuelle Güter, wie etwa einen...

Berlin - Zynga ist an der Börse nicht gut angekommen. Die Aktien der kalifornischen Online-Spielefirma sind am Freitag in New York eine Stunde vor Handelsschluss um fünf Prozent auf 9,41 Dollar gefallen. Zuvor hatte die Firma 100 Millionen Aktien zu zehn Dollar das Stück platziert. Damit war dies der größte Börsengang eines Internetunternehmens in den USA seit Google. Dort wurden 2004 rund 1,9 Milliarden Dollar erlöst.

Das Debüt von Zynga an der Technologiebörse Nasdaq war mit großer Spannung erwartet worden. Denn es gilt als wichtiger Testlauf für den Börsengang des sozialen Netzwerks Facebook, der im kommenden Jahr ansteht. Bei Facebook steht eine Bewertung von 100 Milliarden Dollar im Raum. Auch in Berlin verfolgten viele den Börsengang mit großem Interesse, denn mit Wooga sitzt hier einer der wichtigsten Wettbewerber von Zynga.

Zynga, gegründet im Januar 2007, ist weltweit Marktführer bei Online-Spielen. Mit „Cityville“, „Castleville“, „Farmville“ und „Texas HoldEm Poker“ stammen vier der fünf Top-Spiele auf Facebook von Zynga. Dahinter folgen Electronic Arts („The Sims social“) und Wooga („Diamond Dash“). Das Spielen ist kostenlos. Doch wer schneller vorankommen und mehr Varianten haben will, der kauft zusätzliche virtuelle Artikel wie etwa einen Traktor oder einen Zauberstab. Die kosten zwar oft nur nur ein paar Cent. Bei der großen Zahl von Spielern kommt aber einiges zusammen: In den ersten neun Monaten 2011 setzte Zynga etwa 830 Millionen Dollar um und verdiente rund 30 Millionen Dollar. Und da ist noch viel Potenzial, denn bisher geben nur ein Bruchteil der insgesamt rund 220 Millionen aktiven Zynga-Spieler Geld für virtuelle Artikel aus. Facebook erhält übrigens 30 Prozent der Umsätze, die auf seiner Plattform erzielt werden.

Inklusive der Aktien, die bei den Alteigentümern verblieben sind, war Zynga mit dem Börsengang sieben Milliarden Dollar wert. Rechnet man noch ausstehende Optionen hinzu, sind es sogar 8,9 Milliarden Dollar gewesen. Damit fiel der Börsenwert zum Zeitpunkt der Platzierung niedriger als erwartet aus. Im Sommer war sogar über einen möglichen Börsenwert von 15 bis 20 Milliarden Dollar spekuliert worden. Seitdem hat sich das Klima für Internet- Börsengänge aber deutlich eingetrübt. Die Aktien von Firmen wie der Schnäppchen- Website Groupon oder dem Internet-Radio Pandora rutschten nach einem anfänglichen Kursfeuerwerk ebenfalls unter den Ausgabepreis.

Mit gut 14 Prozent bringt Zynga einen höheren Anteil am Unternehmen an die Börse als andere Online-Firmen in diesem Jahr. Der 45-jährige Chef und Gründer von Zynga, Mark Pincus, wird aber weiter fest die Kontrolle behalten. So wie andere frühe Investoren will er sich beim Börsengang nicht von Anteilen trennen. Laut Zynga-Unterlagen liegen gut 38 Prozent der Stimmen in der Hand des Gründers, so dass ohne ihn keine wichtige Entscheidung getroffen werden kann.

Die Kontrolle behalten will auch Jens Begemann, Gründer der Spielefirma Wooga. Im August sagte er im Interview mit dem Tagesspiegel: „Ich habe kein Interesse, Wooga zu verkaufen.“ Da hatte er in einer neuen Finanzierungsrunde gerade 24 Millionen Dollar bei Investoren eingesammelt. Dennoch ist der erfolgreiche Börsengang von Zynga ein wichtiges Signal für die Branche: Er spiegele das rasante Wachstum von Umsätzen und Nutzerzahlen der noch jungen Social Games Branche wider, sagte Begemann am Freitag.

Wie groß die Faszination der Spiele ist, bewies kürzlich der US-Schauspieler Alec Baldwin. Er musste ein Flugzeug von American Airlines verlassen, weil er sich vor dem Start weigerte, sein Handy abzuschalten. Er wollte sein Spiel „Words with Friends“ (Zynga) nicht unterbrechen. mit dpa

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