• Börsenglück erleichtert Hausbau: Immer mehr Bauherren setzen bei der Rückzahlung ihrer Kredite auf Aktienfonds

Wirtschaft : Börsenglück erleichtert Hausbau: Immer mehr Bauherren setzen bei der Rückzahlung ihrer Kredite auf Aktienfonds

Veronika Csizi

Mit Hilfe der Börse ein Haus bauen? Immer mehr Banken bieten den Bauherren eine Kombination aus Darlehen und Investmentfonds an. Die Idee ist einfach. Die Bank offeriert ein Baudarlehen, für das während der Laufzeit zwar Zinsen, aber keine Tilgung bezahlt werden. Statt dessen kaufen die Bauleute Monat für Monat Anteile eines Investmentfonds, um den Kredit bzw. die Restschuld dann auf einen Schlag zurückzuzahlen - und unter Umständen sogar noch einen Überschuss zu erwirtschaften.

Die Zahlen der vergangenen 20 Jahre sprechen für sich: Wer zwischen dem 30. April 1980 und dem 30. April 2000 in deutsche Aktienfonds investiert hat, durfte sich über eine Rendite von im Schnitt 14 Prozent im Jahr freuen. Bei 15 Jahren Anlagedauer lagen die Erträge bei 13,9 beziehungsweise 14,4 Prozent pro Jahr, also deutlich über den Effektivzinsen eines Baukredits.

Ein Rechenbeispiel: Die Bauleute benöti gen einen Kredit in Höhe von 400 000 Mark. Die Bank bietet ihnen eine Hypothek mit 15jähriger Zinsbindung, einem Effektivzins von 6,31 Prozent und zwei Prozent Tilgung. Das ergibt eine monatliche Belastung von 2770 Mark, davon sind 2103,33 Mark Zinsen und 666,66 Mark Tilgung. Nach Ablauf des Darlehens bleibt eine Restschuld von 200 914 Mark, die Bauleute haben also 199 086 Mark getilgt.

Nach der Fondsvariante sitzen die Häuslebauer nach 15 Jahren zwar immer noch 400 000 Mark Schulden bei ihrer Bank, haben dafür aber 666,66 Mark jeden Monat in einen Investmentfonds eingezahlt. Mit den 13,9 Prozent Rendite, die deutsche Aktienfonds seit 1985 im Schnitt pro Jahr erbracht haben, verfügen sie nun über 373 500 Mark, können also ihren Baukredit bis auf 26 500 Mark auf einmal tilgen. Eine Anlage in europäische Aktienfonds hätte sogar 390 500 Mark ergeben. Abgezogen werden müssen davon noch Kosten wie etwa die Ausgabeaufschläge.

Kein Wunder also, dass immer mehr Bauwillige diese Finanzierungs-Variante erwägen. Doch Vorsicht: Ertrags-Garantien gibt es an der Börse natürlich nicht. Eine Baufinanzierung mit Hilfe von Aktienfonds ist eine Spekulation und ein Spiel mit dem Risiko, selbst wenn der lange Anlagezeitraum Verlustgefahren extrem reduziert. Doch auch die übliche Finanzierung ist nicht ohne Risiko, schließlich weiß niemand, wie hoch die Zinsen nach Anlauf des Erstkredites in 15 oder 20 Jahren sind.

Trotzdem knüpfen die meisten Banken einen Baukredit mit Fonds an strengere Bedingungen. So darf das Darlehen nicht zu knapp kalkuliert sein, die Bonität des Schuldners muß sehr gut sein. Die Hypovereinsbank etwa, Europas größter Immobilienfinanzierer, genehmigt die Fonds-Finanzierungs-Variante "nur nach individueller Entscheidung und nur mit Rentenfonds" - was sich in den letzten 15 Jahren in obiger Beispielrechnung nur mit internationalen Papieren gelohnt hätte. Die Deutsche Bank hingegen plant "noch in diesem Jahr ein neues Produkt" für börseninteressierte Bauwillige. Man habe "erkannt, dass sich da ein ganz neuer Markt bildet", so ein Sprecher.

Eine völlig neue Finanzierungs-Alternative mit spekulativem Charakter: Da mauern viele Institute erst einmal. "Im Prinzip wird, bei guter Bonität, jede Bank zustimmen, aber der Kunde muß sehr hartnäckig sein", heißt es beim Reutlinger Finanzmakler Infos, der die neue Baufinanzierung schon länger gemeinsam mit der NordLB anbietet. Bauen mit Aktienfonds eigne sich aber nicht für jeden. Wer nicht ruhig schlafen könne, wenn der Fondssparplan unter Plansoll stehe, solle die Finger davon lassen, "denn Börsenkrisen kommen hundertprozentig".

Sinnvoll ist die Tilgungs-Variante mit Fonds laut Infos auch nur mit weltweit anlegenden oder deutschen Aktienfonds. Branchen-, Technologie- oder Emerging-Markets-Fonds würden abgelehnt. Ansonsten könne der Kunde, der nicht zu alt sein solle, selbst entscheiden, welchem Fondsmanager er sein Geld anvertrauen wolle.

Nicht nachfragen brauchen Interessierte bei den reinen Hypothekenbanken wie der DG Hyp oder der Rheinhyp. Nach dem deutschen Hypothekenbankengesetz ist eine Tilgungsausetzung über zehn Jahren verboten - nicht gerade zur Freude der Verbandsmitglieder. "Wir wären froh, wenn wir die Tilgung per Aktienfonds auch anbieten könnten", heißt es von einem Mitglied, das aber ungenannt bleiben möchte.

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