Wirtschaft : Börsenhandel am Feiertag: Auch der Dax ruht am Pfingstwochenende

Bernd Frank

Jubel An Der Börse. Ein Händler reißt die Arme hoch und gestikuliert, als ob er gerade ein großes Geschäftgemacht hätte. Sein Gegenüber atmet tief durch und wirft seine restlichen Karten auf das Pult. Drei andere Händler stehen herum und tauschen die neuesten Spekulationen über das Abschneiden der deutschen Mannschaft bei der Fußball-EM aus, während in der Ecke einer schon schläft. Auf der großen Anzeigetafel dümpelt derweil der Dax schon seit gut zwei Stunden auf dem gleichen Niveau herum. Börsenhandel am Feiertag.

So hatten sich das die Verantwortlichen bei der Deutsche Börse AG sicher nicht vorgestellt. Der Handel an vier Feiertagen - Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Fronleichnam und dem Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober - könnte zum Flop geraten. Die Begründung für die Ausweitung der Börsenzeiten, der internationale Wettbewerbsdruck und der Wunsch des Privatanlegers verlange nach dem Feiertagshandel, erscheint dem Beobachter immer fragwürdiger. Händler beschreiben den Tag als "tote Hose". Druck kommt auch von wiederkehrenden Proteste der Kirchen und der Gewerkschaften, die entweder den zu großen Einfluss von Geld und Kommerz kritisieren oder das Ganze als Kulturschande anprangern und die Privatanleger zum Feiertags-Boykott aufrufen. Unter diesen Umständen ist es möglicherweise nur eine Frage der Zeit, wann die Börsen mangels Geschäft den Feiertagshandel als "nicht ganz erfolgreichen Versuch" wieder rückgängig machen wird. Einige Händler kümmerte das am Pfingsmontag wenig. Sie haben sich inzwischen um einen kleinen Fernseher gruppiert. Nachdem gerade das Fußballspiel angepfiffen worden ist, bewegt sich an der großen Anzeigetafel nichts mehr. Der Dax ruht am Feiertag.

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