Börsenjahr 2008 : Endlich vorbei

Das Börsenjahr 2008 brachte Pleiten, Pech und Pannen. Der Dax verlor 40 Prozent. 2009 drohen neue Achterbahnfahrten.

Henrik Mortsiefer
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Berlin - Es ist ein schwacher Trost für die deutschen Kleinanleger: 2008 haben die 20 reichsten Aktionärsfamilien Deutschlands mehr als 39 Milliarden Euro an der Börse verloren. Eine abstrakt hohe Summe für die meisten Privatinvestoren. Doch es war das Jahr der großen Summen, an die wir uns fast gewöhnt haben. 374 Milliarden Euro – so viel Börsenkapital wurde allein bei den 30 Dax-Werten in den vergangenen zwölf Monaten vernichtet. Am Dienstag beendete der Deutsche Aktienindex mit 4810 Punkten den letzten Handelstag – um 40 Prozent ist er damit in diesem Krisenjahr abgestürzt. Spektakulärer fiel ein Kursrutsch am deutschen Aktienmarkt nur einmal in den vergangenen 40 Jahren aus: 2002. Nach dem Platzen der Internetblase und den Terroranschlägen in den USA rauschte der Dax damals um knapp 44 Prozent nach unten. Nach fünf Jahren mit Gewinn ist 2008 die Serie gerissen.

Wenig tröstlich dürfte auch sein, dass es 2008 alle Anleger rund um den Globus gleich hart traf. New York, London, Tokio, Moskau – kein Handelsplatz, auf dem nicht vor der Jahreswende drastische Verluste bilanziert werden müssen. Verluste, die sich nicht nur in Geld bemessen. Nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbanken, milliardenschweren Betrugsfällen und der Kapitulation zahlreicher Großbanken im Sog der Finanzkrise hat auch die Reputation des Kapitalmarktes schwer gelitten.

Gelassen konnten nur jene bleiben, die 2008 auf Sicherheit und vermeintlich langweilige Anlagen wie Tagesgelder, Sparbriefe oder Staatsanleihen gesetzt haben. Hier waren – trotz sinkender Leitzinsen und dank hoher Kursgewinne – mitunter zweistellige Renditen möglich.

Für ähnlich lukrativ haben viele Banken vor zwölf Monaten auch eine Investition in den Dax gehalten. Bis auf 9000 Punkte sah zum Beispiel die Dekabank, die Investmentbank der Sparkassen, den Dax klettern. Die Weberbank hielt immerhin 8600 Punkte für möglich, die Deutsche Bank sagte 8300 Zähler voraus. Teure Fehlprognosen, wie sich ein Jahr später herausstellt. Doch kaum jemand lag mit seinen Voraussagen richtig. Die Überraschungen waren zu groß, die Kursausschläge zu heftig.

Allein an fünf Tagen dieses Jahres brach der Dax um mehr als sieben Prozent ein. Anschließende Gegenbewegungen ließen die Kurse ebenso heftig nach oben springen. Etwa am 13. Oktober, drei Tage nachdem Deutschland und Frankreich Rettungspakete für die Finanzbranche angekündigt hatten. Der Dax schießt um 11,4 Prozent in die Höhe. Es ist der größte Tagesgewinn seiner Geschichte.

Beim Blick auf die Gewinner und Verlierer im Dax sehen Anleger rot: Mit Ausnahme von VW (plus 60,2 Prozent) schließen alle Werte mit Verlust, 27 mit zweistelligen Prozentsätzen. Für eine bittere Premiere sorgt das Dax-Schlusslicht (minus 88,1 Prozent), der Chiphersteller Infineon. Erstmals in der Dax-Geschichte sackt die Aktie unter den Wert von einem Euro – ein Ramschwert im wichtigsten deutschen Börsenbarometer.

Im Zwielicht der Spekulation glänzte hingegen die VW-Aktie. Ihr größtes Tagesplus verbuchte das Papier am 27. Oktober, als es zeitweise mehr als dreimal so viel kostete wie zum Vortagsschluss. So viel hatte zuvor kein Dax-Unternehmen an einem einzigen Börsentag zugelegt. Die Ankündigung des Großaktionärs Porsche, einen Beherrschungsvertrag bei VW anzustreben, hatte den Kurs elektrisiert – und Hedgefonds zu ungewollten Aktienkäufen gezwungen.

Ähnliches dürfte sich 2009 nicht wiederholen. Doch auf Prognosen gibt kaum noch jemand etwas. Man behilft sich stattdessen mit Börsenweisheiten, die immer stimmen. Oder auch nicht. „Nie in ein fallendes Messer greifen“, lautete am Dienstag eine Empfehlung.

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