Börsenkriminalität : Daimler bestreitet Insiderhandel bei EADS

In der Debatte um möglichen Insiderhandel beim europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS hat Anteilseigner Daimler nach eigenen Angaben eine weiße Weste.

Berlin/Frankfurt am Main - „Wir haben uns nichts vorzuwerfen“, sagte Konzernchef Dieter Zetsche am Donnerstag auf der außerordentlichen Hauptversammlung in Berlin. Man habe die Vorgänge intern geprüft, nachdem die französische Börsenaufsicht AMF auf den Konzern zugekommen sei.

Nach vorläufigen Ermittlungsergebnissen der französischen Börsenaufsicht AMF, aus denen die Zeitung „Le Figaro“ am Mittwoch zitierte, soll sich fast die gesamte Spitze des Airbus-Mutterkonzerns durch Insiderhandel bereichert haben. In dem Bericht, der der französischen Staatsanwaltschaft übergeben wurde, werden 21 Topmanager sowie die Hauptaktionäre Daimler-Chrysler und Lagardère verdächtigt, im Wissen um Produktionsprobleme beim Riesen- Airbus A 380 Aktien verkauft zu haben, bevor sie die Öffentlichkeit im Juni 2006 informierten. Die Nachricht über Lieferverzögerungen des A 380 hatte die EADS- Aktie auf Talfahrt geschickt und fast ein Drittel des Börsenwerts vernichtet.

Daimler-Chrysler hatte im ersten Quartal 2007 seinen Anteil an EADS von 22,5 Prozent auf 15 Prozent verringert. Daimler-Aufsichtsratschef Manfred Bischoff sagte, das Unternehmen habe um den Bericht der französischen Börsenaufsicht gebeten, ihn bisher aber nicht erhalten. Er merkte an, dass er selbst keine EADS-Aktien verkauft habe. Zum fraglichen Zeitpunkt war Bischoff zusammen mit Arnaud Lagardère Co-Chef des EADS-Verwaltungsrates. Bislang ist als einziger Top-Manager Noel Forgeard über die Affäre gestolpert. Der frühere Airbus-Chef und Ex-EADS-Co-Chef hatte noch im März 2006 Aktienoptionen in Millionenhöhe ausgeübt – jedoch stets bestritten, damals schon von den Airbus- Problemen gewusst zu haben. Sein damaliger Kollege, der jetzige Airbus-Chef Thomas Enders, hatte die Ausübung seiner Optionen im März 2006 für „nicht opportun“ gehalten. Ein Aktienverkauf bereits im November 2005 – als die Probleme bereits diskutiert wurden – brachte nun aber auch ihn in die Kritik.

Neu sind die Hinweise auf möglichen Insiderhandel bei EADS nicht. Allerdings richtete sich der Verdacht bislang nicht auf die oberen Management-Ebenen des Airbus-Mutterkonzerns. Bereits im Juli hatte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein Verfahren an die Generalstaatsanwaltschaft in München abgetreten.

Die Hinweise gegen fünf Verdächtige waren offenbar so schwerwiegend, dass ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde. Es geht nach Angaben des Münchner Oberstaatsanwalts Anton Winkler um zwei deutsche Mitarbeiter von EADS sowie drei Angehörige oder Freunde. Auch sie sollen frühzeitig von den Lieferproblemen beim A 380 erfahren und EADS-Aktien im Frühjahr 2006 verkauft haben. Seit kurzem liegt der Münchner Staatsanwaltschaft eine Stellungnahme von EADS vor. Wie lange die Ermittlungen noch laufen, ist offen.

Aktionärsvertreter zeigten sich am Donnerstag empört über die neuen Spekulationen, die genau ein Jahr nach Bekanntgabe des Airbus-Sparplans „Power 8“, einer Folge des A-380-Desasters, aufkamen. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, ist das kein normaler Insiderhandel mehr“, sagte Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre dem Tagesspiegel. Er sei „überrascht über das Ausmaß des Sumpfes“. „Das reicht schon an betrügerische Machenschaften heran.“ Kunert begrüßte, dass die Informationen knapp drei Wochen vor der außerordentlichen Hauptversammlung von EADS an die Öffentlichkeit gelangten. „Wenn sich Herr Enders wirklich bereichert hat, wäre er als Airbus-Chef untragbar.“ Bei dem Aktionärstreffen am 22. Oktober in Amsterdam soll Enders offiziell zum neuen Airbus-Chef ernannt werden. jul/ro

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