Wirtschaft : Börsenrallye – nur für Profis

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Von Henrik Mortsiefer

Zehn Prozent Kursgewinn in zwei Tagen – wann hatten wir das zuletzt? Mit großen Sprüngen hat sich der Deutsche Aktienindex am Donnerstag und Freitag aus der wochenlangen Lethargie befreit. Finanz- und Technologiewerte, die auf Jahrzehnt-Tiefs abgesackt waren, erholen sich. Konjunktursensible Papiere wie Metro und Lufthansa klettern. An der Börse macht ein Wort aus besseren Zeiten die Runde: Jahresendrallye!

Die Bedenkenträger und Skeptiker, denen dieser kleine Aufschwung schon zu viel ist, gerieten gestern in den Ruf, Spielverderber zu sein. Doch – leider, leider – haben sie Recht. Denn zehn Prozent Kursgewinn sind für den Dax nur ein Tröpfchen auf den heißen Stein. Seit Jahresanfang hat der Index die Hälfte seines Wertes eingebüßt. Um sein altes Niveau wieder zu erreichen, ist mehr nötig. Und dann träumen die meisten Anleger immer noch von Gewinnen. So stellten sich viele am Freitag nach der ersten Erleichterung die bange Frage, wie tief es in der kommenden Woche wieder bergab gehen könnte. Dass die Kurse ungebremst bis zum Jahreswechsel steigen, glaubt niemand. Wer an den beiden glücklichen Tagen Gewinn gemacht hat, tat dies bei höchstem Risiko. Die kurzfristig anlegenden Trader setzten auf die größten Verlierer der letzten Tage. Sie stiegen schnell ein, und sie werden – so ist zu befürchten – auch schnell wieder aussteigen. Wer als Kleinanleger glaubt, an solchen Manövern teilnehmen zu können, täuscht sich. Dieses Geschäft machen die Profis unter sich aus. Und wenn es schief geht, haben sie das nötige Kapitalpolster oder sind mit Gegengeschäften abgesichert.

So schwer es auch fällt: Die Anleger sollten ihr Geld noch zusammenhalten. Denn an den Fakten hat sich wenig geändert. Die Zinsen fallen nicht, die Konjunktur liegt am Boden, die Kriegsgefahr wächst und das Konsumklima bleibt frostig. Daran ändern auch ein paar gute Nachrichten von Karstadt oder Metro nichts. Der Euphorie-Ausbruch an der Börse zeigt nur, dass Aktien riskant bleiben.

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