Wirtschaft : Börsenrat beschließt Ende des Devisenfixings

FRANKFURT (MAIN) (ro).Der Euro bringt für die Frankfurter Devisenbörse das Aus.Nachdem dies monatelang im Raum gestanden und für zum Teil heftige Diskussionen gesorgt hatte, beschloß der 24köpfige Frankfurter Börsenrat am Dienstag, die amtliche Kursnotiz von 20 europäischen und außereuropäischen Währungen in Form von Geld- und Briefkursen zum 30.Dezember einzustellen.Statt dessen werden ab 4.Januar mit Hilfe der Finanz- und Nachrichtenagentur Reuters sogenannte Referenzkurse für Dollar, Yen, britisches Pfund, Schweizer Franken, kanadischen Dollar, sowie für schwedische, dänische und norwegische Krone im Verhältnis zum Euro ermittelt.Diese Durchschnittspreise gelten dann auch für den Verbraucher, der sich auf der Bank mit Geld für die Reise versorgt, oder für das Exportgeschäft von Unternehmen.

Grund für das Aus für die rund 450 Jahre alte Frankfurter Devisenbörse und das gut 45 Jahre alte amtliche Devisenfixing ist zum einen der Euro, der das innereuropäische Fixing nahezu überflüssig macht.Zum anderen ist den Banken die Devisenbörse zu teuer und zu wenig effizient.Auch ihre Bedeutung sei mittlerweile für die weltweiten Devisengeschäfte, von denen der größte Teil direkt zwischen Banken abgewickelt wird, minimal.Auch die Bundesbank scheidet als Teilnehmer an der Devisenbörse zum 30.Dezember aus, weil sie ihre geldpolitische Autonomie an die Europäische Zentralbank (EZB) abtritt.

Derzeit werden in Frankfurt vom amtlichen Devisenmakler Detlev Storck jeden Tag zwischen 13 und 14 Uhr die amtlichen Kurse von 17 Währungen gegenüber der DM ermittelt.Storck und seine drei Mitarbeiterinnen müssen sich ab 4.Januar mit anderen Aufgaben befassen.Das Fixing gilt aber längst nur noch als eine Momentaufgabe im weltweiten Devisengeschehen - täglich werden global mindestens eine Billion Dollar umgeschlagen - und hat insofern nur noch geringe Bedeutung.

21 Geldhäuser - Großbanken, Landesbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken - werden sich an dem neuen Referenzsystem beteiligen.Ihre eigenen Werte geben sie in ein Computersystem ein, aus diesen Daten werden dann täglich um die Mittagszeit Devisenreferenzkurse in Form von Mittelkursen festgestellt.Genossenschaftsbanken und Sparkassen hatten sich lange gegen die jetzt festgezurrte Regelung gestemmt.Das amtliche Fixing sorge für Transparenz und sei für Verbraucher und kleinere Unternehmen eine wichtige Orientierungsgröße bei ihren Geldgeschäften.

Die Großbanken dagegen verweisen seit Monaten immer wieder darauf, daß ein aufwendiges Fixing über die Devisenbörse nicht nur teuer sondern angesichts der niedrigen Umsätze auch wenig aussagekräftig sei.Im Großkunden- und im Interbankengeschäft spiele es ohnehin seit Jahren keine wesentliche Rolle mehr.Dort agieren die Banken längst an den Devisenbörsen vorbei.Über das neue System würden im übrigen auch Privatkunden beim Tausch von Devisen nicht mehr mit dem Kurs des Vortages bedacht, sondern kämen in den Genuß der aktuellen Daten.

Allerdings erkennen Beobachter im jetzt beschlossenen Referenzpreissystem auch Schwachpunkte.Auch dieses Verfahren basiere auf relativ geringen Umsätzen.Daneben sei Deutschland neben Österreich und Griechenland das einzige Land in der EU, daß sich überhaupt mit Devisenfixing befasse.Kritiker verweisen zudem darauf, daß auch die EZB ab 4.Januar täglich Referenzkurse für den Euro zu anderen Währungen festlege.Da aber, sagen wiederum Befürworter des neuen Systems, fehle die Basis des täglichen Geschäftes von Banken und Sparkassen.

Ein strenger Verhaltenskodex für alle beteiligten Bankhäuser soll im übrigen sicherstellen, daß marktgerechte Kurse ermittelt werden.Wer sich nicht an den Verhaltenskodex hält, muß mit dem Ausschluß aus dem Kreis der am neuen Devisenfixing beteiligten Banken rechnen.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben