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Börsenreaktionen : Erdbeben lässt Ölpreis absacken

Die Börsen reagieren nervös auf das schwere Erdbeben in Japan, in Deutschland geben vor allem die Rückversicherer nach. Der Ölpreis fällt - die Begründung mutet zynisch an.

Die Preise für Öl sind nach dem schweren Erdbeben in Japan deutlich gesunken: Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im April kostete im Mittagshandel 112,62 US-Dollar und damit 2,81 Dollar weniger als am Vortag. Ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) büßte 3,34 Dollar auf 99,36 Dollar ein.

Experten machten das schwere Erdbeben in Japan für die starken Kursverluste verantwortlich. Japan ist nach China und den USA das weltweit drittgrößte Rohstoffverbrauchsland und bei nahezu allen Rohstoffen auf Importe angewiesen. Der Ölbedarf dürfte durch das Erdbeben zumindest vorübergehend niedriger ausfallen, erwartet die Commerzbank in einer Analyse. Diese Naturkatastrophe könnte zudem dazu führen, dass die schon eingeleitete Korrektur an den Rohstoffmärkten weitergehe.

Einem weiteren Preisrückgang stehen laut Commerzbank jedoch die anhaltenden Unruhen in Nordafrika und im Nahen Osten entgegen. Die anhaltenden Kämpfe in Libyen und Berichte über Beschädigungen an der libyschen Ölinfrastruktur sollten einer baldigen Rückkehr zur normalen Produktionsmenge entgegenstehen.

Das Beben im Nordosten des Landes ließ rund eine Viertelstunde vor Handelsschluss auch in Tokio die Häuser wanken. Der Betrieb an der Tokioter Börse lief zwar weiter, aber die Anleger wollten wegen des Bebens ihr Risiko reduzieren - als sicher geltende Staatsanleihen verbuchten einen Kurssprung, die Landeswährung Yen gab nach. Auch vor dem Beben hatten bereits Sorgen über den hohen Ölpreis und dessen Folgen für die Weltkonjunktur die Kurse belastet.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index beendete den Handel mit einem Abschlag von 1,7 Prozent auf 10.254 Punkten. In Singapur gehandelte Futures auf den Nikkei fielen allerdings nach dem Handelsschluss in Tokio unter 10.000 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index gab ebenfalls 1,7 Prozent auf 915 Stellen nach.

Gegen Mittag stand der deutsche Leitindex Dax in Frankfurt bei 6992 Punkten 1,00 Prozent im Minus und rutschte damit knapp unter die psychologisch wichtige Marke von 7000 Punkten. Bereits an den beiden vorangegangenen Handelstagen hatte der Leitindex im Minus geschlossen. Der MDax sank am Freitag um 1,35 Prozent auf 10 015 Punkte, der TecDax büßte 1,41 Prozent auf 866 Punkte ein.

Laut Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research macht sich die Angst breit, dass es zu weiteren Erdstößen kommen könnte. Für den schwachen Gesamtmarkt sei allerdings die unsichere Lage in Saudi- Arabien und die damit verbundene Sorge um die dortige Ölförderung ein möglicherweise noch wichtigerer Faktor. Laut Medienberichten hatten saudische Sicherheitskräfte am Donnerstag in der Stadt Katif am Persischen Golf das Feuer auf Demonstranten eröffnet. „Die Börsen sind weiterhin deutlich verunsichert, wie all das einzuschätzen ist“, sagte der Experte.

Belastet von dem Erdbeben in Japan gerieten die Aktien aus dem Versicherungssektor europaweit kräftig unter Druck. Papiere des weltgrößten Rückversicherers Munich Re sackten im Dax um 5,31 Prozent auf 110,45 Euro ab, Hannover Rück büßten im MDax 4,42 Prozent auf 38,995 Euro ein. (dpa/Reuters)

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