Börsentag : Börsen fallen stark dank AIG

Die Rettungsaktion für den Versicherer AIG reißt die Börsen nach unten.

Heike Jahberg,Stefan Kaiser

BerlinBerlin - Die Angst vor einer weiteren Eskalation der weltweiten Finanzkrise hat die Börsenkurse am Montag drastisch einbrechen lassen. Der wichtigste US-Index Dow Jones fiel um 4,2 Prozent auf 6763 Punkte. Das war der tiefste Schlussstand seit Mai 1997. Auch der Ölpreis sackte in New York um zehn Prozent auf rund 40 Dollar pro Fass (159 Liter). Der Deutsche Aktienindex Dax brach ebenfalls um weitere 3,5 Prozent auf 3710 Punkte ein.

Auslöser der neuen Ängste waren Hiobsbotschaften vom US-Versicherungskonzern AIG. Der einst weltgrößte Versicherer hat 2008 einen Rekordverlust von 100 Milliarden Dollar eingefahren und kann nur mit weiteren Staatshilfen in Höhe von 30 Milliarden Dollar überleben. Viele Anleger zweifeln nun, ob der Konzern überhaupt noch zu retten ist und fürchten zudem neue Krisenherde bei Banken und Versicherern. „AIG überschattet den Markt. Sie sind tödlich angeschossen“, sagte Warren Simpson, Managing Director beim Vermögensverwalter Stephens Capital Management. „Offensichtlich wird die Situation von Tag zu Tag schlechter, und es gibt keine Aussicht auf Besserung“, beschrieb er die Stimmung an den Märkten.

Der AIG-Konzern gilt wegen seiner weltweiten Verflechtungen als äußerst wichtig für das Finanzsystem. So gehört das Unternehmen etwa zu den größten Anbietern von Kreditversicherungen, mit denen sich Banken in aller Welt gegen ausfallende Kredite abgesichert haben. Würde AIG Pleite gehen, könnten neue Schockwellen um die Welt gehen, die möglicherweise größer wären als bei der Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008. Deshalb hält die US-Regierung AIG bereits seit dem vergangenen Herbst mit immer neuen Kapitalspritzen am Leben. Insgesamt haben die USA bereits mehr als 180 Milliarden Dollar in das siechende Unternehmen gesteckt.

Die jüngste Stützungsmaßnahme folgte nur wenige Tage auf die Teilverstaatlichung der US-Bank Citigroup. Damit musste die US-Regierung binnen kürzester Zeit zwei Finanzkonzerne retten, die noch vor zwei Jahren zu den Vorzeigeunternehmen Amerikas gehörten. Die Citigroup-Aktie setzte ihren freien Fall auch am Montag fort. Der Kurs stürzte um mehr als 18 Prozent auf rund 1,22 Dollar.

Sorgen machen der US-Regierung auch die beiden großen Hypotheken-Finanzierer Fannie Mae und Freddie Mac, die bereits seit September unter Staatskontrolle stehen, aber noch immer horrende Verluste machen. Am Montag trat der Chef von Freddie Mac, David Moffett, nach nur sechs Monaten im Amt zurück.

Für zusätzliche Verunsicherung an den Börsen sorgte die größte europäische Bank, die britische HSBC. Das Institut, das bisher vergleichsweise gut, durch die Krise gekommen war, gab am Montag bekannt, dass es auf faulen Krediten im Wert von fast 25 Milliarden Dollar sitze. Vor allem in den USA machte das Geldhaus im vergangenen Jahr Verlust. Das dicke Minus in Nordamerika konnte HSBC jedoch mit Gewinnen in anderen Regionen auffangen und schrieb unter dem Strich, im Gegensatz zu vielen Konkurrenten, noch schwarze Zahlen. Konzernweit sank der Nettogewinn aber um 70 Prozent auf 5,7 Milliarden Dollar (4,5 Milliarden Euro). Die Großbank will sich nun frisches Geld besorgen und plant eine Kapitalerhöhung von rund 14 Milliarden Euro – die größte in der Geschichte des Königreichs. „Wenn schon eine gut aufgestellte Bank wie HSBC so viel frisches Kapital braucht, dann fragt man sich, wie es bei den schlechteren Instituten weitergehen soll“, sagte Matt Buckland vom Broker CMC Markets.

Wie schwierig es derzeit ist, an Geld zu kommen, zeigen die hohen Abschläge, die die HSBC jetzt hinnehmen muss. Die neuen Papiere werden zu je 254 Pence angeboten und kosten damit deutlich weniger als die bereits an der Börse notierten, die am Montag in London um 18,8 Prozent auf 399 Pence einbrachen.

Die HSBC ist neben Barclays die einzige britische Großbank, die sich für ihre Finanzspritzen noch nicht aus dem Rettungstopf der Regierung bedient hat. In der vergangenen Woche hatte die Royal Bank of Scotland ein Minus von 27 Milliarden Euro vermeldet – das war der höchste Verlust, den ein britisches Unternehmen jemals geschrieben hat.mit HB

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