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Börsenturbulenzen : US-Notenbank garantiert zwei Jahre Niedrigzinsen

Die Turbulenzen auf den internationalen Aktienmärkten setzten sich am Dienstag fort. Der Dax schloss fast auf Vortagsniveau, der Dow Jones sogar im Plus.

Licht am Ende des Tunnels? Ein Händler am New York Stock Exchange.
Licht am Ende des Tunnels? Ein Händler am New York Stock Exchange.Foto: dpa

Das rasante Auf und Ab an den Weltbörsen hat auch den deutschen Leitindex Dax voll erfasst: Das wichtigste deutsche Börsenbarometer verlor am Dienstag zeitweise mehr als 7 Prozent - und erreichte am Ende fast genau den Vortagswert. Der Dax schloss mit 0,10 Prozent im Minus bei 5917,08 Punkten. Deutlich wird die ausgeprägte Unsicherheit an den extremen Ausschlägen des Leitindex: Zwischen dem Hoch und dem Tief lagen im Tagesverlauf mehr als 500 Punkte.

Nach extremen Kurseinbrüchen zum Wochenbeginn kam es zunächst zu einer deutlichen Erholung, die den Leitindex Dow Jones Industrial wieder über die Marke von 11 000 Punkten trieb. Doch die Nerven der Marktteilnehmer waren während der US-Notenbanksitzung zum Zerreißen angespannt. Auf die Aussagen der Fed zur Schwäche der US-Wirtschaft und zur daher überraschend langen Ausdehnung der Nullzins-Politik reagierte das Börsenbarometer mit rekordverdächtig kräftigen Ausschlägen in alle Richtungen.

Letztendlich schloss der Dow mit einem fulminanten Plus von 3,98 Prozent auf 11 239 Punkte und machte damit zumindest einen Großteil seiner Vortagsverluste wieder wett. „Das war der schwankungsreichste Tag im Dow, an den ich mich erinnern kann, und ich habe bereits seit 49 Jahren mit Märkten zu tun“, kommentierte Marktstratege David Buik von BGC Partners das Auf und Ab. Der breit gefasste S&P 500 stieg um 4,74 Prozent auf 1 172,53 Punkte und auch die Nasdaq-Indizes legten sehr kräftig zu. Der Composite-Index gewann 5,29 Prozent auf 2 482,52 Punkte und der Auswahlindex Nasdaq 100 rückte um 4,88 Prozent auf 2 160,79 Punkte vor.

Die Fed hatte im späteren Handelsverlauf mitgeteilt, sie werde ihre Nullzinspolitik voraussichtlich noch mindestens zwei weitere Jahre fortsetzen und begründete dies mit dem schwachen Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten. Die Fed-Aussagen zu ihrer Geldmarktpolitik seien „außerordentlich aggressiv“ gewesen, resümierte Bernd Weidensteiner, Volkswirt bei der Commerzbank.

In Deutschland hatte ein freundlicher Auftakt an der Wall Street zunächst dafür gesorgt, dass sich die Kurse von den Abstürzen zuvor erholten. Schnäppchenjäger nutzten demnach die Kurse zum Einstieg, wie Händler sagten.

An der Frankfurter Börse hatte die Indizes aus der zweiten Reihe zuvor ihre zehntägige Durststrecke beendet: Der zuvor noch zeitweise um knapp 6 Prozent abgerutschte MDax schloss 2,86 Prozent höher bei 8783,61 Punkten. Der TecDax gewann 3,16 Prozent auf 700,99 Punkte.

Die hohe Nervosität der Anleger zeigte sich insbesondere am VDax, der die Schwankungsbreite des Leitindex abbildet. Er erreichte am Dienstag den höchsten Stand seit 2009, als die Weltwirtschaftskrise nach der Lehman-Pleite abflaute. Derweil ging die Rekordjagd des Goldpreises weiter, was auch die hohe Risikoscheu der Anleger signalisiert. Chefvolkswirt Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank sagte mit Blick auf die aktuellen Kurskapriolen: „Es ist kein rationaler, sondern ein emotionaler Markt.“ Es sei eine Situation eingepreist worden, die so gar nicht eingetreten sei.

Zyklische Industrie- und Technologiewerte gehörten nach den kräftigen Verlusten der vergangenen Tage zu den größten Gewinnern.
BMW-Aktien etwa kletterten als Spitzenwert um 6,33 Prozent auf 58,26 Euro. Aktien des Halbleiterkonzerns Infineon rückten um 6,16 Prozent auf 5,788 Euro vor.

Einige Einzelwerte standen jedoch mit ihrer Bilanzvorlage im Blickfeld. So rutschten RWE nach ihrem Halbjahresbericht auf den tiefsten Stand seit Ende 2003 und schlossen am Dax-Ende 6,34 Prozent tiefer bei 28,745 Euro. Der Energieversorger hatte im ersten Halbjahr wegen des Atomausstiegs wie erwartet weniger verdient. Titel des Konkurrenten Eon standen dem nur wenig nach und büßten fast 6 Prozent ein.
Auf europäischer Bühne beendeten die wichtigsten Indizes den Handel höher. Der EuroStoxx 50 gewann 0,32 Prozent auf 2294,24 Punkte. In Paris und London legten die Indizes noch deutlicher zu.

In Asien ging es zuvor zumeist abwärts. So fiel der Hang Seng-Index in Hongkong um zeitweise bis zu 7 Prozent. Er erholte sich dann nur leicht wieder und schloss mit einem Minus von 5,66 Prozent.

Der Nikkei-Index für 225 führende Werte fuhr aber geringere Verluste als am Vortag ein und ging mit einem Minus von 1,68 Prozent aus dem Handel.
Trotz schlechter Inflationszahlen in China und anfänglicher Verluste beendeten hingegen die Aktienmärkte in Shanghai und Shenzhen den Handelstag eher ausgeglichen. Der Shanghai Composite Index schloss mit einem geringen Minus von 0,03 Prozent. Der Shenzhen Component Index stieg minimal um 0,02 Prozent. Auch die Börsen in Neuseeland und Australien hatten eine weitere Aktien-Talfahrt erlebt.

Am Rentenmarkt sank die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 2,07 (Vortag: 2,15) Prozent.
Der Rentenindex Rex stieg um 0,29 Prozent auf 127,79 Punkte. Der Bund Future verlor 0,53 Prozent auf 132,38 Punkte. Der Kurs des Euro stieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,4267 (Montag: 1,4225) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7009 (0,7030) Euro. (dpa)

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