Wirtschaft : Börsianer erwarten Konsolidierung

Nach dem Kursrückgang an Wall Street schauen die Anleger auf Bundesbank und Fed

BERLIN (jojo).Nach dem Kursrutsch an der Wall Street vom vergangenen Freitag ist zu Wochenbeginn an den deutschen Börsen mit einem vorsichtigen Verhalten der Anlegern zu rechnen.Investoren dürften zunächst auf die am Dienstag anstehende Ankündigung des Bundesbank-Tenders sowie das Treffen des Offenmarktausschusses der US-Notenbank warten. Während die jüngsten Konjunkturdaten aus den USA Zinserhöhungen jenseits des Atlantiks bisher eher unwahrscheinlich erscheinen lassen, jedenfalls wird zumindest für diesen Dienstag noch nicht damit gerechnet, wird für Deutschland weiter über höhere Konditionen im Rahmen der Wertpapierpensionsgeschäfte spekuliert.Damit steuert die Deutsche Bundesbank die Geldversorgung der Geschäftsbanken.Angsichts des starken Dollars war in den vergangenen Tagen und Wochen wiederholt darauf hingewiesen worden, daß die deutschen Währungshüter auch während der Sommerpause gegebenfalls durch die Ausgabe von sogenannten Zinstendern, also bei freibleibenden Zinskonditionen, höhere Zinssätze herbeiführen könnten. Die Analysten der Bankgesellschaft Berlin freilich warnen davor, erneut auftretende Zinsirritationen als Vorboten einer Zinswende zu betrachten.Das weiter schleppende Inlandswachstum, mangelnde Preiserhöhungsspielräume der Unternehmen sowie der Zwang zu einer europaweit koordinierten Geldpolitik würden die Bundesbank in ihrem Zinsspielraum stark einengen.Die Banker gehen daneben davon aus, daß sich die Unsicherheit aus den USA auf die deutschen Märkte durchschlagen könnte.Berliner Börsianer sprachen bereits in der vergangenen Woche von einer "gesunden Konsolidierung", die sich fortsetzen könnte. Da in der kommenden Woche keine bedeutenden Konjunkturdaten zu erwarten sind, ist davon auszugehen, daß sich das Augenmerk der Anleger wieder auf Dollarkurs und die Unternehmensgewinne richtet.Spannend wird es in dieser Hinsicht bereits heute, wenn der Volkswagen-Konzern seine Halbjahreszahlen veröffentlicht. Die Analysten der Bankgesellschaft empfehlen, sich trotz bisheriger Kurseinbußen beim Aktienverkauf zurückzuhalten.Ebenso warnen sie aber vor einer nennenswerten Aufstockung des Aktienanteils zum derzeit hohen Kursniveau.Renten, so die Banker, sollten wegen der Zinsunsicherheit im Portefeuille nach wie vor ­ mit etwa rund 40 Prozent ­ untergewichtet bleiben. Ruhe zu bewahren rät auch die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK).Vor allem Börsenneulinge sollten nicht hektisch werden, so SdK-Chef Dieter Kauffmann am Wochenende.Zwar seien nach dem Rückgang in den USA jetzt auch in Deutschland sinkende Kurse möglich, auf lange Sicht seien Aktien aber nach wie vor ein sehr lohnendes Anlageobjekt.Kauffmann forderte in diesem Zusammenhang bessere Informationen für Erstanleger.Ihnen müßte klargemacht werden, daß es mit den Aktienkursen nicht immer nur bergauf gehe. Wie sich der Aktienmarkt in den USA entwickeln wird, hängt nicht zuletzt von der Entwicklung des Streiks beim Kurierdienst UPS ab.Anleger befürchten niedrigere Gewinne bei US-Firmen, falls sich die Beschäftigten mit ihren Forderungen durchsetzen können.Die amerikanischen Unternehmen haben in letzter Zeit vor allem deshalb so gut verdient, weil die Arbeitnehmervertreter zu moderaten Lohnabschlüssen bereit waren.Im letzten Quartal hatte sich der Anstieg der Lohnstückkosten abermals verlangsamt.Um mehr Vollzeitstellen und eine höhere Betriebsrente zu bekommen, befinden sich seit zwei Wochen rund 185 000 UPS-Mitarbeiter im Ausstand. In den USA dürften vor allem die Papiere klettern, die von der lebhafterren Binnennachfrage profitieren.Exportabhängige Unternehmen dagegen leiden unter dem noch immer relativ hohen Niveau des Dollars, das die Waren im Ausland teurer macht.

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