Wirtschaft : Börsianer zuversichtlich: "Nach dem Euro kommt der Globo"

FRANKFURT (MAIN) (hk/HB).Das überraschend bekanntgegebene Vorhaben einer strategischen Börsenallianz Frankfurt-London schlägt weiter hohe Wellen.Während die Nachbarn in Paris "kochen" und Londons Terminbörse Liffe vor Schaden für die City warnt, spenden internationale Banken Beifall: Sie sehen in diesem Projekt eine Stärkung Europas insgesamt.Und Richard Grasso, Chef der New York Stock Exchange (NYSE), ließ jetzt in der britischen Hauptstadt durchblicken, daß auch die bedeutendste Börse der Welt nach Partnern Ausschau hält.Angesichts einer Konsolidierungswelle unter den Aktienmärkten diesseits und jenseits des Atlantiks führe die NYSE Verhandlungen mit möglichen Partnern, sagte Grasso, ohne dabei Namen zu nennen.

Inzwischen hat das Brüsseler Centre of European Policy Studies (CEPS) einen Bericht zu "Capital Markets and EMU" vorgelegt, in dem es heißt, Europas Kapitalmärkte seien noch nicht europäisch.Es fehle eine gemeinsame europäische Marktverfassung mit einheitlichen Standards bei Börsenaufsicht, Emissionsverfahren, Besteuerung und Anlegerschutz.Nationale Sonderregelungen verzerrten den Wettbewerb und behinderten den freien Fluß von Kapital.

Nach Ansicht von Daniel Gros, Deputy Director des Instituts, ist der Euro der Katalysator für eine dramatische Konsolidierung der Termin- und Aktienbörsen in Europa.Gros geht davon aus, daß die regionalen Börsenplätze verschwinden werden und eine zentrale Plattform für den europäischen Börsenhandel entstehen wird.

Die Strategen von Salomon-Smith-Barney sehen ihre früher geäußerte Vision einer gemeinsamen Eurobörse etwa ab 2005 jetzt schon früher.Wenn die Allianz Frankfurt-London zu einem einheitlichen Aktienmarkt führe, dann würde dies den Investoren erhebliche Vorteile bescheren: niedrigere Transaktionskosten, mehr Markttiefe (Liquidität), geringere Abwicklungsrisiken - all dies schaffe eine höhere Markteffizienz.Wörtlich heißt es in dem Euro-Kommentar: "Europa wird dadurch ein attraktiverer Platz für internationale Investoren.Das ist eine gute Nachricht!" Für die Bank Julius Bär ergänzten sich London und Frankfurt ideal: Das Handelsvolumen sei in Frankfurt um die Hälfte höher als in London.London verfüge jedoch über die größere Zahl von notierten Unternehmen und sei in der Kundenbetreuung professioneller.

Ein einheitlicher Markt in Europa ist für die großen US-Investoren attraktiv.Es dürfte mehr Kapital in einen integrierten Kapitalmarkt investiert werden als in den fragmentierten Märkten.Die Analysten der Société Générale Frankfurt schreiben, in dieser Allianz werde deutlich, daß der Euro nichts weiter als ein Trendverstärker sei: Der Kooperationsdruck des weltweiten Wettbewerbs werde wohl erst zu Ende kommen, wenn der "Euro" vom "Globo" abgelöst werde.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar