Wirtschaft : Bombardier fehlt Arbeit in Hennigsdorf

Auftragslage wird dünner Züge sollen besser werden.

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Berlin - Der weltgrößte Zughersteller Bombardier stellt sich auf ein schwächeres Geschäft in Deutschland ein. „2012 sind wir in Hennigsdorf noch gut beschäftigt. 2013 wird es dünner“, sagte Michael Clausecker, der neue Deutschlandchef des kanadischen Konzerns, am Freitag in Berlin. Dies wird sich auch beim Personal auswirken. Für dieses Jahr sei die Beschäftigung sicher. „Die nötige Flexibilität holen wir uns dann über Zeitarbeit“, bekannte er. Nach Angaben der IG Metall ist in Hennigsdorf, dem mit 2800 Beschäftigten größten der acht deutschen Bombardier-Werke, mehr als jeder dritte Arbeiter auf Leihbasis tätig.

Clausecker, Jahrgang 1966, ist Nachfolger von Klaus Baur, der nach neun Jahren an der Spitze in Rente gegangen ist. Der Manager wird die Sparte von Berlin aus führen, wo die Weltzentrale der Bahn-Sparte mit 560 Beschäftigten arbeitet. Clausecker war zuletzt in der Branche als Lobbyist in Brüssel und Berlin unterwegs.

Vor allem im Lokomotiv-Bereich wären zusätzliche Aufträge „hilfreich“, befand Clausecker. Zwar entspreche der aktuelle Auftragsbestand der gesamten Sparte drei Jahresumsätzen. Doch handelt es sich dabei in erster Linie um Bestellungen, die in anderen Werken abgearbeitet werden – Straßenbahnen für Bautzen oder Doppelstockwagen für Görlitz. Am Freitag kam eine weitere Bestellung hinzu: Die Deutsche Bahn orderte 16 Doppelstock-Triebzüge für den Einsatz in Schleswig-Holstein ab 2014. Der Wert des Geschäfts beläuft sich auf 160 Millionen Euro.

In einem wichtigen Segment muss Bombardier künftig zurückstecken: Die Bahn will einstöckige Regionalzüge bei der Konkurrenz kaufen. „Da sind wir erst einmal raus“, bekannte Clausecker. Grund ist das Desaster mit den neu konstruierten Talent-2-Fahrzeugen. 178 Stück dieses Typs für Strecken in der ganzen Republik sollten längst ausgeliefert sein, davon 48 für Berlin und Brandenburg. Doch Bombardier hatte bei Produktion und Zulassung große Probleme. Nun könne man nach und nach liefern, derzeit seien 50 Züge beim Kunden, sagte der Manager. 2013 werde man alle 295 bestellten Einheiten auf dem Gleis haben. Mit der Bahn und Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hatte es wegen der Verzögerung heftigen Krach gegeben. „Wir müssen uns Vertrauen erst wieder erarbeiten“, räumte Clausecker ein. Carsten Brönstrup

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