Wirtschaft : Bombardier stützt Mehdorns Börsenplan

Der Eisenbahnbauer plädiert für eine Privatisierung mit Schienennetz und erwartet einen Millionenauftrag von der BVG

Bernd Hops

Berlin - Der weltgrößte Eisenbahntechnikkonzern Bombardier Transportation hat vor weiteren Verzögerungen bei der Privatisierung der Deutschen Bahn gewarnt. „Es ist entscheidend, dass der Entschluss so schnell wie möglich gefasst wird“, sagte Konzernchef André Navarri dem Tagesspiegel. Das Management der Bahn werde dazu gezwungen, einen Großteil seiner Energie auf die Frage des Börsengangs zu konzentrieren. „Es ist paradox. Mehr Menschen fahren in Regionalzügen oder ICEs, die Bahn ist zunehmend erfolgreich, aber das Niveau der Bestellungen ist eins der niedrigsten in Europa“, sagte der Chef von Bombardier Transportation. Ein Börsengang sei die einzige Lösung, um der Bahn die nötige Finanzierung zu sichern.

Navarri stützte die Forderung von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, dass das Unternehmen mitsamt den Gleisen privatisiert wird. „Der integrierte Börsengang ist der einzige vernünftige Weg, alles andere würde nur zu langen Verzögerungen führen“, sagte Navarri im Vorfeld der Eisenbahnmesse Innotrans in Berlin (siehe Kasten). Außerdem gebe es im Management eine goldene Regel: „Brich niemals etwas auf, was erfolgreich arbeitet.“

Für Bombardier Transportation ist Deutschland der wichtigste Markt. Hier macht der Konzern, der seine Weltzentrale in Berlin hat, 1,2 Milliarden Euro oder 20 Prozent seiner Umsätze mit Bahntechnik und hat einen Marktanteil von 60 Prozent. Ein Viertel der Belegschaft arbeitet zudem in den hiesigen sieben Werken „Für uns hat Deutschland eine absolute Schlüsselfunktion“, sagte Navarri. Daher trifft es seinen Konzern, wenn die Deutsche Bahn, der größte Einzelkunde, nicht planen und bestellen kann. Im Frühjahr hatte die Bahn eine große Ausschreibung für Regionalzüge gestartet. „Die Gespräche darüber laufen weiter“, erklärte der Manager. Aber er könne verstehen, dass die Bahn verunsichert sei.

Trotzdem zeichnete der Bombardier-Chef ein gutes Bild für seine deutschen Werke – weil sie international wettbewerbsfähig sind. „Wir exportieren von hier aus sehr viel“, erklärte Navarri. Hierzulande könne man gut produzieren. „Man muss es nur intelligent anstellen.“ Etwa mit Ingenieurarbeiten oder hochwertiger Endmontage. Grundbauteile würden zunehmend in günstigeren Ländern eingekauft. „Das sichert nur die Wettbewerbsfähigkeit unserer deutschen Werke und schafft zusätzliche Arbeit.“

In den vergangenen Jahren hatte Bombardier einen harten Sanierungskurs gefahren. Auch deutsche Werke waren betroffen. „Jetzt sind wir erfolgreich. Massive Einschnitte sind nicht mehr geplant“, sagte Navarri. Trotzdem sei weiter das Ziel, in zwei bis vier Jahren eine Rendite vor Zinsen und Steuern von sechs Prozent zu erreichen. Zuletzt waren es 3,7 Prozent – rund ein Prozentpunkt besser als vor einem Jahr, weshalb Navarri auch einen leichten Umsatzrückgang in diesem Jahr gut verschmerzen kann. Erreicht werden soll der weitere Sprung nach vorn durch höhere Umsätze, einen günstigeren Teileeinkauf und eine besseres Ablaufmanagement.

Auch das Werk im brandenburgischen Hennigsdorf mit 1800 Beschäftigten soll profitieren. „Wir werden alles dafür tun, damit das Werk genügend Aufträge erhält“, sagte Navarri. Bis Ende 2007 gilt eine Beschäftigungsgarantie, für die Folgejahre hängt sie von einer Mindestauslastung ab. Jetzt werden in Hennigsdorf auch Züge für den skandinavischen Markt gebaut. In Brandenburg stehen Aufträge für Regionalzüge aus – Bombardier macht sich Hoffnung darauf. „In einem Werk wie Hennigsdorf brauchen wir regionale Nachfrage.“ Aus Berlin soll bald ein Großauftrag kommen. Die BVG will Straßenbahnen bestellen. Ab 2008 könnte Hennigsdorf damit rechnen, pro Jahr 20 Fahrzeuge für die BVG zu bauen. Genaues zum Auftragsvolumen sagte er nicht. Zu Spekulationen, es könne sich um eine halbe Milliarde Euro handeln, sagte er: „Das ist nicht weit weg von der Wahrheit.“

Neue Märkte sieht Navarri vor allem in Osteuropa, etwa in Polen, Tschechien und Ungarn. „Diese Staaten haben eine lange Eisenbahngeschichte und einen hohen Bedarf an Eisenbahntechnik.“ Daneben mischt Bombardier in China mit. „Hier sind wir extrem erfolgreich.“ Dabei falle auch Arbeit für andere Werke ab. Im Kommen sei Indien, vor allem die Nachfrage nach Massentransportmitteln ziehe an. „Hier müssen ganze Systeme neu gebaut werden“, sagte Navarri. Trotz dieser neuen Nachfrage bleibe aber Europa zentral. Bernd Hops

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