Wirtschaft : Bombardier will an die Spitze

Kanadier wollen mit DWA den europäischen Markt aufrollen BERLIN (mwb/HB).Die im November 1997 angekündigte Übernahme der Deutschen Waggonbau AG (DWA), Berlin, durch den Verkehrstechnik-Konzern Bombardier Inc., Montreal, ist endgültig perfekt.Gestern schlossen die beteiligten Unternehmen in Berlin die Transaktion ab.Die Kanadier erwarben DWA von einer Gruppe institutioneller Investoren, die von der Advent International Corp., Boston, beraten wurde.Über den Kaufpreis wurde von den beteiligten Seiten bis zum 10.März Stillschweigen vereinbart."Wir bestätigen mit dem Erwerb der DWA unsere Absicht, uns an die Weltspitze in der Herstellung von Schienenfahrzeugen zu setzen", sagte der Vorstandsvorsitzende von Bombardier, Laurent Beaudoin.In Deutschland rückt das Unternehmen Bombardier, das auch in den Bereichen Flugzeugbau und Freizeitfahrzeuge tätig ist, mit der Übernahme der DWA und dem 1995 erfolgten Kauf der Waggonfabrik Talbot, Aachen, in die Spitzengruppe der Hersteller von Schienenfahrzeugen. Den Marktanteil von Bombardier und DWA bei Schienenfahrzeugen bezifferte Beaudoin auf 29 Prozent in Deutschland und auf 16 Prozent in Europa.Zusammen mit DWA hätte Bombardier im Bereich Schienenfahrzeuge im abgelaufenen Geschäftsjahr (31.Januar) 2,9 Mrd.DM Umsatz erzielt, sagte der Präsident des Konzernbereiches Bombardier Transportation, Jean-Yves Leblanc.Der Umsatz des Gesamtkonzerns liegt nach früheren Angaben bei rund zehn Mrd.DM.Mit dem Kauf der DWA verschiebt sich auch die regionale Gewichtung innerhalb der Bombardier Transportation.Die Umsätze dieses Bereichs von Bombardier in Europa sind jetzt doppelt so hoch wie in Nordamerika.Hier gelten die Kanadier mit einem Marktanteil von 40 Prozent als Marktführer.Auf dem Weltmarkt liegt Bombardier mit einem Anteil von 11 Prozent an vierter Stelle, hinter Adtranz, GEC Alsthom und Siemens Verkehrstechnik.DWA soll bereits 1998 im operativen Geschäft die Konzern-Umsatzrendite von fünf bis elf Prozent erreichen.DWA-Vorstandschef Peter Witt, der auch nach der Übernahme in seinem Amt bleiben wird, bezeichnete 1997 als "bisher erfolgreichstes Jahr seit Gründung des Unternehmens".Der Umsatz habe 1,1 Mrd.DM (1996: 914 Mill.DM) erreicht.Der Gewinn werde in einer zweistelligen Größenordnung liegen.In diesem Jahr erwartet DWA nach Angaben von Witt ein Umsatzplus von 5 Prozent.Das Auftragsvolumen habe derzeit einen Bestand von über 4 Mrd.DM.In den vergangenen drei Jahren seien mehr als 300 Mill.DM investiert worden. Konzern-Chef Beaudoin stellte vor allem die Synergieeffekte in Bezug auf Technologie, Produkte und Märkte heraus.Dabei werden DWA und die Konzerntochter Talbot in Aachen künftig eng zusammenarbeiten.Es werde aber vorerst nicht zu einem Arbeitsplatzabbau kommen.Die Auftragslage beider Unternehmen sei so gut, daß eher das Gegenteil der Fall sei.DWA beschäftigt in Deutschland derzeit in sechs Werken und einem Forschungs- und Entwicklungszentrum 4000 Mitarbeiter. DWA-Chef Witt räumte ein, daß "eine alleinstehende DWA sich hätte fragen müssen, ob sie im Konzert der Großen im Schienenfahrzeugbau auf Dauer hätte überleben können".Bombardier sei der ideale Partner.Durch den Zugang zu den Ressourcen des internationalen Konzerns werde für DWA die Zukunft sicherer.Bombardier will zudem mit dem Erwerb von DWA seine Präsenz auf dem osteuropäischen Markt verstärken.Hier unterhält DWA traditionell gute Kontakte mit den Eisenbahngesellschaften vor allem der Russischen Föderation, wo noch 27 000 Waggons aus der DWA-Produktion aus DDR-Zeiten unterwegs sind.Bis 1989 hatte DWA rund 138 000 Schienenfahrzeuge hergestellt, mehr als jedes andere Unternehmen in der Welt.Sowohl Bombardier als auch DWA hoffen auf eine schnelle Wiederbelebung des Ostgeschäfts.Derzeit beteilige sich DWA aussichtsreich an Ausschreibungen in Polen und Rußland.DWA hat derzeit einen Exportanteil von 20 Prozent.

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