Bomben auf Syrien? : Börsen befürchten Eskalation in Nahost

Syrien-Krise macht die Finanzmärkte nervös, weltweit sinken die Kurse. Doch deutsche Firmen planen schon für den Aufschwung.

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Eine Ölförderanlage in der Wüste, im Hintergrund geht die Sonne unter.
Syrien ist für den Ölmarkt unwichtig, die Nachbarländer aber nicht. Krieg in der Region dürfte die Preise treiben.Foto: AFP

Berlin - Ein möglicher Militärschlag gegen Syrien hat am Dienstag die Finanzmärkte in Atem gehalten und Angst vor negativen Folgen für die Weltwirtschaft ausgelöst. An den Börsen in Asien, Europa und Amerika gingen die Kurse auf Talfahrt, auch zahlreiche Währungen gerieten unter Druck. „An den Märkten stellt man sich nun auf das Schlimmste ein“, sagte ein Händler. Öl und Gold verteuerten sich derweil deutlich.

Aktienbesitzer nutzten die Unsicherheit offenbar zu Gewinnmitnahmen. Dax und Euro-Stoxx 50 gaben 2,3 Prozent auf 8242 Punkte beziehungsweise 2,6 Prozent auf 2749 Punkte nach – obwohl die deutschen Firmen nach dem Ifo-Geschäftsklimaindex sehr optimistisch in die Zukunft blicken. Auch die Wall Street startete schwach in den Handel. Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff auf Zivilisten mit mehr als 1300 Toten bereiten sich die USA und Großbritannien auf einen Militäreinsatz vor. Auf der Suche nach sicheren Alternativen investierten Anleger in Dollar und Gold. Das Edelmetall erreichte mit 1418,23 Dollar je Feinunze den höchsten Stand seit drei Monaten. Gefragt waren auch deutsche Staatsanleihen. Am Ölmarkt kletterte der Preis für die Nordsee-Sorte Brent auf ein Sechs-Monats-Hoch von 112,79 Dollar je Fass.

Syrien spielt zwar als Außenhandelspartner für Deutschland nur noch eine untergeordnete Rolle, das Handelsvolumen ist seit 2010 bereits stark zurückgegangen. Im vergangenen Jahr kaufte das Land noch für knapp 206 Millionen Euro Waren aus der Bundesrepublik. Das bedeutet einen Anteil am gesamten Export von 0,07 Prozent, auf der Liste der wichtigsten Handelspartner steht der arabische Staat auf Platz 97.

Die Sorge vieler Wirtschaftsexperten gilt allerdings der Versorgung der Weltwirtschaft mit Öl. „Wenn es zu einem Krieg kommt, wird es Unruhe und Preisausschläge auf den Rohstoffmärkten geben“, sagte Michael Bräuninger, Rohstoffexperte am Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Institut (HWWI). Das könnte schwerwiegende Folgen für Europa haben. „Wenn durch den Konflikt in Syrien nun negative Schocks kommen, könnte die Krise in der Euro-Zone ganz schnell wieder aufbrechen“, befand er.

Für Unsicherheit sorgt vor allem die unübersichtliche Lage. Iran und Russland gelten als wichtigste Verbündete des Assad-Regimes – wie sie sich im Konfliktfall verhalten werden, ist derzeit unklar. Auch die Türkei, die an Syrien grenzt, könnte betroffen sein – sie ist angesichts ihres Aufschwungs in den vergangenen Jahren als Handelspartner für die deutsche Wirtschaft immer wichtiger geworden. „Gravierend für die Weltwirtschaft würde es erst, wenn Nachbarländer in den Konflikt hineingezogen würden, die für den Welthandel und die globale Energieversorgung weitaus wichtiger sind“, sagte Rima Al-Tinawi, Nahost-Expertin beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag.

Momentan plant die deutsche Wirtschaft indes noch für den Aufschwung – das zeigen die neuen Zahlen zum Ifo-Geschäftsklima vom Dienstag. Sie fielen so gut aus wie seit anderthalb Jahren nicht mehr; der Index des Ifo-Instituts erreichte für den August 107,5 Zähler, das waren 1,5 Punkte mehr als im Vormonat. Bereits seit Mai legt der Index zu, der per Umfrage unter rund 7000 Unternehmen ermittelt wird. Sowohl die Lage als auch die Geschäftsaussichten sehen die Firmenlenker rosiger, was auf ein robustes Wachstum in den nächsten Monaten hoffen lässt. „Die deutsche Wirtschaft schaltet einen Gang höher“, sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen. Die Zuspitzung der Lage in Syrien war zum Zeitpunkt der Umfrage jedoch noch kein Thema.

Vor allem Industriebetriebe äußerten sich zuversichtlicher, auch wegen besserer Export-Aussichten. Damit treffen Prognosen offenbar zu, die ein Anziehen der Konjunktur ab der Jahresmitte vorhergesagt hatten. Anfang 2013 hatte die Wirtschaft auch angesichts des langen Winters noch stagniert, im zweiten Quartal hatte es ein Plus von 0,7 Prozent gegeben. Neben den steigenden Ausgaben der Verbraucher hatten dabei auch anziehende Investitionen zum Wachstum beigetragen. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sieht Deutschland auf „einem soliden Wachstumspfad“. Die Stimmung sei besser als von vielen erwartet, sagte der Politiker. mit rtr

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