Wirtschaft : Bomben statt Business

Tewe Pannier

Es war ganz hübsch geplant, eigentlich. „Ich fliege am Dienstag nach Beirut und bespreche alles mit dem Kunden“, sagte mein Partner Nabil. „Du kommst am Freitag nach, und wir können den Vertrag unterschreiben.“ Dann kamen Bomben und Raketen. Die Planung ist Makulatur, das Geschäft vermasselt. Nabil ist zwar in Beirut, aber er wünschte, er wäre es nicht. Der Flughafen ist gesperrt. Statt mit dem Kunden verhandelt er mit zwei Airlines über einen Flug von Damaskus aus nach Hause. Wann er in die syrische Hauptstadt kommt, weiß er noch nicht: Auch die Passstraße ist zerstört.

Der Libanon ist vom Persischen Golf ungefähr genauso weit weg wie von Berlin. Und doch viel näher dran. Auch in der Medienwelt haben die kriegerischen Unruhen den Betrieb zum Stocken gebracht. Denn die Manager der Werbeagenturen, die Macher der TV-Sender, die PR-Arbeiter und Kreativen sind überwiegend Libanesen, scherzhaft die „Offizielle Libanesische Mafia“ genannt. Sie schimpfen jetzt über die Hisbollah, Israel, ihre eigene Regierung oder gleich über alle zusammen. Sie beklagen in libanesischen Lokalen bei libanesischem Essen und libanesischem Wein das Schicksal ihres Landes und debattieren, wie es zur Ruhe kommen kann. Übers Geschäft redet jedenfalls gerade keiner. Höchstens noch über den Urlaub. „Ich habe Tickets für meine ganze Familie, sie wollten alle den Sommer zu Hause verbringen“, sagt ein libanesischer Werbemann. „Wo soll ich sie jetzt hinschicken?“

Abends telefoniere ich mit meinem Partner Nabil. Der sitzt in seinem Appartement in Hamra, dem Charlottenburg Beiruts, und hat sich gerade Notstrom für 100 Dollar im Monat aus dem Supermarkt im gleichen Haus legen lassen. Zwei Fluggesellschaften haben ihn auf die Warteliste gesetzt. Ein Taxifahrer würde ihn nach Damaskus fahren, über einen anderen Pass, zum dreifachen Preis. Die Dinge regeln sich. Nabils Stimme klingt entspannt, mit einem Hauch von Fatalismus und einer winzigen Prise Nostalgie. 20 Jahre Bürgerkrieg hat er in seiner Heimatstadt erlebt. „Es ist alles ein bisschen wie früher“, sagt er.

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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