Bonitätsbewertung : Italien wehrt sich gegen Herabstufung

Die Ratingagentur Standard & Poor’s sieht Italiens Bonität nur noch knapp über "Ramsch"-Niveau. Die Fachleute verweisen auf hohe Verschuldung und anhaltende Rezession. Rom findet das "kleinlich".

Standard & Poor's ist die größte der drei wichtigsten US-Ratingagenturen.
Standard & Poor's ist die größte der drei wichtigsten US-Ratingagenturen.Foto: dpa

Rom/London - Italiens Regierung hat die Senkung der Kreditbewertung des Euro- Krisenlandes durch die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) als „falsch und kleinlich“ kritisiert. Die Analysten der Agentur berücksichtigten die bereits vorbereiteten Maßnahmen der neuen Regierung unter Enrico Letta nicht, hielt das Wirtschaftsministerium in Rom der Herabstufung der Bonität Italiens entgegen. S&P hatte das Rating für das Land wegen der schwachen Aussichten für die konjunkturelle Entwicklung von „BBB+“ auf „BBB“ gesenkt. Italien steckt in einer tiefen und anhaltenden Rezession.

Mit der Senkung liegt die Kreditbewertung für die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone jetzt nur noch zwei Stufen über dem „Ramsch-Niveau“, mit dem gemeinhin spekulative Anlagen gekennzeichnet werden. Außerdem setzte S&P den Ausblick auf „negativ“, so dass in den kommenden Monaten weitere Herabstufungen möglich sind. Rating-Abstufungen können die Folge haben, dass das Land höhere Zinsen bieten muss, um sich Geld bei Investoren leihen zu können.

Letta, Chef einer von einer großen Koalition getragenen Regierung, sprach von „engherzigen Bewertungen“. Wer gedacht hätte, dass (auf internationaler Ebene) alles gelöst sei, habe sich getäuscht, sagte er dem TV-Sender RAI. „Italien wird weiterhin besonders überwacht“, fügte er an. Letta bereitet eine Reihe von Maßnahmen vor, darunter steuerliche Erleichterungen, um die Wirtschaft anzukurbeln und die hohe Arbeitslosigkeit zu bekämpfen.

Nach Einschätzung der Experten von S&P in London haben sich die Aussichten für Italiens Wirtschaft zuletzt weiter verschlechtert. Die Wirtschaftsleistung sei im ersten Quartal weiter gesunken und befinde sich derzeit unverändert in einem Abschwung. S&P senkte daraufhin die Prognose für das italienische Bruttoinlandsprodukt. Die Experten gehen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 1,9 Prozent schrumpfen wird, nachdem sie zuvor nur einen Rückgang um 1,4 Prozent erwartet hatten.

Ein weiteres Problem sieht S&P in den vergleichsweise hohen Zinsen, die Italiens Firmen für Kredite zahlen müssen. Insgesamt wird die Verschuldung des Landes auf einem gefährlich hohen Niveau verharren, lautet die Einschätzung. S&P geht davon aus, dass der Anteil der öffentlichen Verschuldung am Bruttoinlandsprodukt bis zum Jahresende bei 129 Prozent liegen wird. Mit dem Urteil hat sich S&P anderen Agenturen teilweise angepasst. Moody’s hat Italien ebenfalls zwei Stufen über Ramsch-Niveau eingestuft. Bei Fitch liegt das Rating weiter noch drei Stufen über Ramsch. dpa

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