Wirtschaft : Bonitätsprüfer: Schufa bündelt ihre Kräfte

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Die neuen Aufgaben im Internet und beim E-Commerce und der zunehmende Wettbewerb unter den Auskunfteien veranlasst auch die 1927 gegründete "Schutzgemeinschaft für Allgemeine Kreditsicherung" (Schufa), ihre acht regionalen Gesellschaften zusammenzulegen und neue Geschäftsfelder zu erschließen. Deshalb hat sich das von 61 Banken, Sparkassen und von Handelsfirmen getragene Unternehmen in eine AG mit einer Holding in Wiesbaden umgewandelt. Dies könnte auch die Basis sein, wie Aufsichtsratschef Hans-Peter Krämer am Freitag andeutete, dass die Schufa irgendwann an die Börse geht. "Wir könnten eine gute Story schreiben." Beschlüsse gebe es aber nicht.

Die Schufa sieht sich gefordert, weil der Einkauf über das Internet zunimmt und dies schnelle Auskünfte über die Bonität der Käufer verlangt. Zudem will man kundengerechte Auskunftssysteme über die Kreditwürdigkeit von Privatpersonen etwa für Autovermietungen oder die Energiewirtschaft entwickeln. Damit will sich die auch der wachsenden Konkurrenz vor allem von US-Firmen stellen, die verstärkt auf europäischen Markt drängen und sich hierzulande unter anderem mit der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zusammenarbeiten.

Die Holding-Struktur soll außerdem helfen, die Kosten zu drücken und effizienter zu arbeiten. Damit sollen etliche der rund 600 Stellen eingespart werden.

Wirklich in Gefahr dürfte die Position der Schufa aber nicht kommen, jedenfalls bei den Privatkonsumenten: Die Finanz- und Kreditdaten von 55 Millionen Bundesbürgern sind in den Computern der Schufa gespeichert. Wann immer jemand einen Kredit beantragt, einen Leasingvertrag abschließt, ein Mietkaufgeschäft tätigt, Bürgschaften eingeht oder eine Kreditkarte oder ein Girokonto besitzt, wird dies der Schufa gemeldet, sofern der Betroffene dem zustimmt. Dies und der in den letzten Jahren rapide zunehmende Gebrauch von Mobiltelefonen macht sich auch im Umsatz des Unternehmens bemerkbar: 1999 lag er bei knapp 95 Millionen Mark nach gut 92 Millionen Mark im Jahr zuvor. In diesem Jahr soll er, auf rund 100 Millionen Mark steigen, Vorstandschef Rainer Neumann sagt. 60,6 Millionen Mal hat die Schufa 1999 Auskunft gegeben und dafür im Schnitt pro Anfrage 1,50 Mark kassiert. In Zukunft soll sich die Umsatzrendite bei 10 bis 15 Prozent einpendeln.

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