Wirtschaft : Bonn stockt Hilfen für Existenzgründer auf

Bestehende Programme werden ausgeweitet / Zusätzliche Mittel sollen Investitionen von 10 Mrd.DM anschieben BONN/NÜRNBERG (wei/AP).Zur Ankurbelung des Arbeitsmarktes will die Bundesregierung die Förderung von Existenzgründungen deutlich verstärken.Wie Bundeswirtschaftsminister Rexrodt ankündigte, sollen noch in diesem Jahr mit neuen Programmen rund 10 Mrd.DM Investitionen angeschoben werden.Die Förderbanken des Bundes gehen davon aus, daß damit eine Million Stellen gesichert und einige zehntausend neu geschaffen werden.Der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Jagoda, forderte bessere Rahmenbedingungen für Existenzgründer.Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und die Deutsche Ausgleichsbank (DtA) werden ihre Förderprogramme für junge Unternehmen ausweiten.Gleichzeitig werden die Konditionen für die Förderkredite verbessert.Ab sofort ermäßigt sich der Regelzins im Westen um 0,25 Prozentpunkte auf 5 und in Ostdeutschland von 4,75 Prozent auf 4,5 Prozent.Das sind die günstigsten Zinskonditionen in der 50jährigen Geschichte des ERP-Sondervermögens, dem Fonds des früheren Marshall-Plans.In einzelnen Programmen seien die Zinsen aber noch günstiger, sagte Wirtschaftsminister Günter Rexrodt am Donnerstag in Bonn.Rexrodt betonte bei der Vorstellung des Konzepts, der Zugang zu Beteiligungs- und Risikokapital sei der Schlüssel für neue Beschäftigungschancen.Dasselbe gelte für maßgeschneiderte Finanzierungen in der Gründungs- und Wachstumsphase.Nach seinen Angaben sollen die bestehenden Förderprogramme des ERP-Sondervermögens, der Kreditanstalt für Wiederaufbau und der Deutschen Ausgleichsbank ausgeweitet werden.Unter anderem wird der Haftungsrahmen für Risikokapital verdoppelt.Auch Existenzgründungen im Dienstleistungssektor sollen besser gefördert werden.Rexrodt räumte ein, daß von diesen Programmen nicht der große Durchbruch am Arbeitsmarkt zu erwarten sei.Sie seien aber dennoch notwendig.Im vergangenen Jahr seien mit Eigenkapitalhilfe- und Existenzgründungsdarlehen über 30 000 Firmengründungen mitfinanziert worden.Etwa 90 000 Arbeitsplätze seien damit unmittelbar entstanden.Dabei verteidigte der Minister auch die Vielfalt des Förderangebotes.Zwar leide dadurch die Transparenz für die Unternehmen, ihren sehr unterschiedlichen Bedürfnissen könne die Politik aber nur mit "maßgeschneiderten Programmen" entsprechen.Er verhehle nicht, daß man sich nur mit fachkundiger Beratung für die richtige Förderung entscheiden könne.Dies sei Aufgabe der Kreditinstitute.Der Vorstandsvorsitzende der Ausgleichsbank, Eckart von Reden, kündigte an, die DtA werde auch in den alten Ländern eine flächendeckende Beratung aufbauen.Erste Beratungszentren sollen nach Bonn im Frühjahr in Kassel, Mainz, Düsseldorf und Heilbronn die Arbeit aufnehmen.Die meisten Mittel bringen die beiden Förderbanken aus dem ERP-Sondervermögen auf.Im vergangenen Jahr stellte die KfW daraus Kredite in Höhe von 41 Mrd.DM bereit.Bei der DtA waren es 18 Mrd.DM, davon die Hälfte für die Gründung junger Unternehmen.Rund sieben Prozent der Existenzgründungskredite mußten in der Vergangenheit abgeschrieben werden.Besonders wichtig sei die Förderung für Dienstleistungsunternehmen, sagte von Reden.Sie erhielten wegen ihrer ungünstigen Kapitalstruktur auf dem freien Markt kaum Kredite, obwohl sie die meisten Arbeitsplätze schaffen würden.Im Westen stieg ihr Anteil an den Unternehmensgründungen im letzten Jahr von 38 auf 42 und im Osten von 33 auf 38 Prozent.Nach Angaben des Chefs der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, haben sich in den vergangenen drei Jahren rund 280 000 Arbeitslose mit Unterstützung der Arbeitsämter selbständig gemacht.Dies sei zwar ein erfreulicher Trend, aber noch lange nicht ausreichend, erklärte er bei der Eröffnung der Existenzgründermesse "Start" in Nürnberg.Insgesamt liege der Anteil Selbständiger in der Bundesrepublik im europäischen Vergleich noch immer im unteren Bereich.Die Rahmenbedingungen seien nach wie vor schwierig.Es sei nicht zu verantworten, daß neue Unternehmer erst einen Härtetest durchlaufen müßten, bevor sie ihre Ideen verwirklichen könnten, kritisierte Jagoda.Auf der Messe bieten bis zum 1.März rund 200 Aussteller aus allen Branchen, vor allem aber Beraterfirmen, Banken und Sparkassen potentiellen Existenzgründern ihre Unterstützung an.Die Messe "Start" soll künftig jährlich stattfinden.

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