Wirtschaft : Bonner Schubkraft für den Eurofighter

THOMAS MAGENHEIM

Die Drohung mit dem Verlust von Arbeitsplätzen hat gewirkt VON THOMAS MAGENHEIM

München.Das europäische Jagdflugzeug Eurofighter scheint seine erste "Feindberührung" doch noch zu überstehen und Bonner Finanzierungsklippen unbeschadet überfliegen zu können."Wir liegen in einem erfreulichen Trend", meint ein Sprecher der Daimler-Benz Aerospace (Dasa) zu den Beschaffungsgesprächen zwischen Politik und Industrie. Vor wenigen Wochen war der Tenor noch ein anderer.Industrie und Gewerkschaften malten mit vereinten Kräften das Schreckgespenst eines Eurofighter-Absturzes an die Wand.Das Ende von 18.000 High-Tech-Arbeitsplätzen, ja das Ende des militärischen Flugzeugbaus in Europa wurden als Folge vorhergesagt.Der öffentlichkeitswirksame Aufschrei und die Seelenmassage Bonner Parlamentarier haben ihre Wirkung nicht verfehlt: Dasa, auf die ein Großteil der deutschen Eurofighter-Produktion entfällt, rechnet noch für Januar mit einer Kabinettsvorlage von Bundesverteidigungsminister Rühe und noch im ersten Quartal mit einer positiven Entscheidung des Parlaments in Sachen Eurofighter.Dies würde zwar eine Verzögerung des europäischen Gemeinschaftsprojekts gegenüber der ursprünglichen Planung um mehrere Monate bedeuten.Trotzdem sei es noch möglich, daß der erste Eurofighter 2002 ausgeliefert werden kann, heißt es bei der Dasa, wo man auf die vertraglich fixierten Konventionalstrafen hinweist.Die seien dann fällig, wenn die Produktionspläne wegen Verzögerungen in einem der Partnerländer ins Stocken geraten.Denn Deutschland baut nicht nur die 180 Maschinen für den eigenen Bedarf, sondern auch Komponenten für alle 620 Eurofighter.Und ohne Teile aus Deutschland kann auch in Großbritannien kein Jet fliegen.Zunächst würden die Strafen die Gewinne der Industrie zwar schmälern, heißt es.Da die Verzögerungen in Deutschland aber politisch bedingt sind, haben Dasa und die vielen Mittelständler, die hierzulande am Eurofighter planen, beim Preispoker mit Rühe ein weiteres Argument auf ihrer Seite. Konkretes über die Gespräche will offiziell keiner der Verhandlungspartner sagen.Das bisweilen genannte Gesamtkostenvolumen schwankt zwischen 20 bis 24 Mrd.DM.Ohne Bewaffung soll ein einzelner Jet nun weniger als 130 Mill.DM kosten.Da aber vor allem bei Informationen hinter vorgehaltener Hand selten zwischen Preisen mit oder ohne Mehrwertsteuer, Wartung oder Bewaffnung unterschieden wird, kann über den wahren Kaufpreis wohl bis zuletzt nur spekuliert werden. Klar ist, daß eine Entscheidung, in welche Richtung auch immer, rasch getroffen werden muß.Denn Großbritannien und Spanien haben sich bereits für den Bau entschieden, Haushaltsgelder eingestellt und ihre Produktionsanteile in Angriff genommen.In Italien und Deutschland steht das Votum des Parlaments noch aus.Die Industrie operiert hierzulande insofern im luftleeren Raum und hat wiederholt gedroht, Eurofighter-Arbeitsplätze nicht länger ohne ein deutliches Bekenntnis der Politik vorhalten zu können.Vor allem im Falle von rund 100 mittelständischen Firmen, die in Deutschland etwa zu 60 Prozent am umstrittenen Bau des Eurofighters beteiligt sind, ist dieses Argument nicht vom Tisch zu wischen.Etwa ein Zehntel von ihnen hänge existentiell am Jagdflugzeug, haben Gewerkschaften jüngst berechnet.Das entspreche 2500 Stellen.Schon eine Verschiebung des Projekts um ein Jahr würde Tausende von Stellen kosten, heißt es. Ob Gelder für den Eurofighter aber wirklich einen Abbau von Arbeitsplätzen verhindern, ist fraglich.Denn es stehen noch weitere Rüstungsvorhaben zur Entscheidung an, wie etwa die Nachfolge des Truppentransporters Transall.Manche Kritiker fürchten bei einem Bekenntnis zum Eurofighter Verdrängungseffekte.So gesehen könnte sich Bonn wegen der leeren Kassen leicht veranlaßt sehen, indirekt einen Transall-Arbeitsplatz für einen Eurofighter-Arbeitsplatz zu opfern.

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