Bonus-System : Die dritte Karte

Bertelsmann will mit einer neuen Deutschlandcard älteren Bonussystemen wie Payback und Happy Digits Konkurrenz machen. Kritiker bewerten die Erfolgsausichten der Karte eher skeptisch.

M. Peters,Y. El-Sharif

Berlin - Der Bertelsmann-Konzern will Anfang März eine neue Rabattkarte auf den Markt bringen – und damit den Marktführern Payback und Happy Digits Konkurrenz machen. An der neuen „Deutschlandcard“, die am 3. März bundesweit starten soll, sind unter anderem Edeka, die Deutsche Bank, die L’Tur-Reisebüros, Pharmagroßhändler Gehe und die Porta-Möbelhäuser beteiligt, teilte das Unternehmen am Montag in München mit. Die Zahl der Großpartner solle bis zum Jahresende noch ausgeweitet werden, sagte Alexandra Ranzinger, in der Geschäftsführung der Deutschlandcard zuständig für Marketing und vertrieb, dieser Zeitung. Das Unternehmen spreche mit dem Drogeriefachhandel, Textil- und Baumärkten.

Kritiker bezweifeln allerdings, dass der deutsche Markt eine weitere Bonuskarte verträgt. „Es gibt jetzt schon zu viele Karten, der Kunde weiß gar nicht mehr, wohin damit im Portemonnaie“, sagte Wolfgang Twardawa, Marketingexperte der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Für neue Anbieter sei daher eigentlich kein Platz mehr. „Das kann nur über Verdrängung funktionieren.“ Der Meinung ist auch Thorsten Franz, Geschäftsführer des Deutschlandcard-Konkurrenten Happy Digits. „Unserer Meinung nach hat der deutsche Markt für Kundenkarten langfristig nur Platz für zwei große Programme“, sagte er am Montag.

Größter Rabattkartenanbieter in Deutschland ist derzeit Payback, der vor acht Jahren angefangen hat, Verbrauchern Rabatte in Form von Bonuskarten anzubieten. Angeschlossen sind unter anderem Galeria Kaufhof, Real und Europcar. Rund 60 Prozent der deutschen Haushalte haben eine Payback-Karte (siehe Grafik). Die Nummer zwei am Markt, Happy Digits, wird von knapp 42 Prozent der Verbraucher genutzt. Sie können damit unter anderem bei Karstadt und der Deutschen Telekom Punkte sammeln. Mit großem Abstand folgen die Shell Clubcard und Lufthansa mit Miles & More.

Ob die neue Deutschlandcard eine Chance habe, entscheide allein der Kunde, sagte Geschäftsführerin Ranzinger. Das Rabattsystem der neuen Karte sei vergleichbar mit dem der größten Wettbewerber. Im Lebensmitteleinzelhandel soll es etwa für zwei Euro einen Bonuspunkt geben. „Wir wollen auf keinen Fall einen Preiskampf“, sagte Ranzinger. Stattdessen versucht das Unternehmen, Kunden mit attraktiven Prämien zu locken. Eltern, die genügend Punkte gesammelt haben, könnten zum Beispiel Zuschüsse für einen Kindergartenplatz bekommen. Das Angebot beschränkt sich zunächst auf München, Regensburg und Neumarkt, solle – wenn es erfolgreich anläuft – aber im April deutschlandweit angeboten werden.

Rabattkarten werden nach Angaben von GfK-Marktforscher Twardawa vor allem von treuen Kunden genutzt, die ohnehin regelmäßig in einem Geschäft einkaufen. Um neue Kunden zu binden, müssten die Unternehmen sich noch sehr viel intensiver als bisher das Kaufverhalten ihrer Kunde anschauen und gezielt Marketing betreiben, kritisiert er. „Wenn jemand zwei Monaten nichts gekauft hat, müsste der Händler nachhaken“, sagte er. „Die meisten machen das noch nicht.“

Verbraucherschützer haben bei der Verwertung der Kundendaten allerdings datenschutzrechtliche Bedenken geltend gemacht. Der Bundesgerichtshof (BGH) prüft gerade, ob die Payback-Betreiber mehr Daten der teilnehmenden Kunden sammeln und weitergeben als erlaubt.Das befürchtet der Bundesverband der Verbraucherzentralen, der geklagt hatte. Das Gericht will seine Entscheidung am 9. April verkünden.

Die Stiftung Warentest hält die Rabattkartensysteme dagegen in den meisten Fällen für unbedenklich. „Wenn man ohnehin regelmäßig bei einem der Partnerläden einkaufen geht, dann ist das System sogar sinnvoll“, sagte Heike Nicodemus von der Stiftung Warentest dieser Zeitung. „Man muss sich nur darüber im Klaren sein, dass der Briefkasten oder das E-Mail-Postfach voller werden können.“

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