Boom am Bau : Bauwirtschaft bricht alle Rekorde

Deutschlands Bauunternehmen haben 2016 Aufträge im Wert von fast 68 Milliarden Euro an Land gezogen. Die positive Entwicklung könnte noch bis 2020 anhalten.

Vor allem in den Ballungszentren wird derzeit gebaut. Vielerorts mangelt es an Wohnraum.
Vor allem in den Ballungszentren wird derzeit gebaut. Vielerorts mangelt es an Wohnraum.Foto: Daniel Naupold/dpa

Anfang dieses Jahrtausends war Deutschlands Baubranche von so manchem schon fast tot geglaubt – jetzt gehört sie zu den erfolgreichsten Wirtschaftszweigen im Land. Mit den Jahreszahlen, die das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag vorlegte, hätten allerdings selbst kühne Kenner der Szene nicht gerechnet: Die Niedrigzinsen und der Immobilienboom haben das Neugeschäft im Bauhauptgewerbe auf den höchsten Stand seit zwei Jahrzehnten getrieben. 67,8 Milliarden Euro sind die Neuaufträge laut Statistik wert, die Deutschlands Bauunternehmen 2016 generierten – 14,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Es ist der höchste Wert seit 1996, als das Auftragsvolumen bei 72,3 Milliarden Euro lag.

Überdurchschnittliches Umsatzplus in Berlin

Auch beim Umsatz eilt das Bauhauptgewerbe derzeit von Rekord zu Rekord. Der Erlös stieg 2016 um 7,4 Prozent auf 71,8 Milliarden Euro, die sechste Zunahme in Folge. Das war laut Destatis der höchste Umsatz seit dem Jahr 2000 (72,1 Milliarden Euro). Überdurchschnittliches Wachstum verzeichnete der Wirtschaftszweig in den vergangenen zwölf Monaten in der Hauptstadtregion: In Berlin und Umgebung erwirtschafteten die Bauunternehmen ein Umsatzplus von fast zehn Prozent. Das Bauhauptgewerbe umfasst unter anderem den Bau von Häusern, Gebäuden, Straßen und Leitungen. In der Statistik berücksichtigt wurden Betriebe mit 20 und mehr Mitarbeitern.

Der Wohnungsbau boomt, die öffentliche Hand investiert

Grund für die guten Geschäfte ist vor allem der Boom im Wohnungsbau. Die Niedrigzinsen machen Finanzierungen günstig und drücken zugleich die Renditen auf den internationalen Kapitalmärkten. Deshalb investieren Anleger vermehrt in Immobilien. Dazu kommt die historisch günstige Lage am deutschen Arbeitsmarkt. Für 2017 rechnet das Bauhauptgewerbe weiterhin mit einer guten Entwicklung. Dank der prall gefüllten Auftragsbücher soll der Umsatz um fünf Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 20 Jahren steigen, erwartet der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie. Aber auch in den Jahren bis 2020 rechnet der Verband mit einer unvermindert hohen Nachfrage an Bautätigkeiten. Ein Grund dafür sei der hohe Bedarf an Wohnraum vor allem in Ballungszentren wie Berlin und kleineren „Schwarmstädten“ wie Bonn oder Coburg. Zudem dürfte sich auch der öffentliche Bau weiter positiv entwickeln, heißt es aus dem Bauverband. 2016 lag der Umsatz der Sparte, die unter anderem den Straßen- und Schienenbau umfasst, völlig unerwartet 6,4 Prozent über dem Vorjahresergebnis. „Die Investitionswende ist tatsächlich gekommen“, frohlockt man im Bauhauptverband. Seine Mitgliedsunternehmen dürften auch in den kommenden Jahren einiges zu tun haben: Mehrere große Infrastrukturprojekte, allen voran der Ausbau von Autobahnen und die Sanierung maroder Brücken, sind angeschoben und wollen nun umgesetzt werden.

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