Boombranche : Maschinenbau will 30.000 neue Jobs schaffen

Deutschlands Maschinenbauer jubeln über volle Auftragsbücher - und schaffen tausende neue Arbeitsplätze. Doch Sorgen bereiten den Maschinenbauern die Verluste durch Produktpiraterie.

HannoverDie deutsche Paradebranche Maschinenbau will in diesem Jahr 30.000 neue Jobs schaffen. "Der Maschinenbau schwimmt auf einer Erfolgswelle", sagte der Präsident des Branchenverbandes VDMA, Manfred Wittenstein, am Montag auf der Hannover Messe. Der   Auftragseingang sei weiter gestiegen. Trotz zurückgeschraubter Konjunkturerwartungen für die Gesamtwirtschaft halte der VDMA an seiner Prognose von einem Wachstumsplus von fünf Prozent in diesem Jahr fest. Nicht wenige Unternehmen seien bis zum Jahresende, zum Teil sogar bis ins Jahr 2009 ausgebucht.

Der Maschinenbau ist eine Schlüsselbranche in Deutschland und hat mehrere Boomjahre hinter sich, vor allem dank der starken Nachfrage in Wachstumsmärkten wie China und Indien. Bislang war der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) von 10.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen in diesem Jahr ausgegangen. 2007 hatte die Branche rund 50.000 neue Jobs geschaffen. Bereits im Januar und Februar 2008 seien 12.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstanden, aktuell beschäftige die Branche rund 947.000 Menschen.

Sieben Milliarden Euro Schaden

Zunehmend zu schaffen macht dem Maschinenbau indes die Produktpiraterie. Der VDMA schätzt den Schaden, der den Unternehmen dadurch 2007 entstanden ist, auf rund sieben Milliarden Euro. Fast ein Viertel der betroffenen Unternehmen habe mehr als fünf Prozent an Umsatz verloren, berichtete Wittenstein auf Basis einer Umfrage, an der 241 Mitgliedsunternehmen teilgenommen haben.

"China ist weiterhin Spitzenreiter als Herstellungsland der Plagiate", sagte der Verbandspräsident. 71 Prozent der betroffenen Firmen haben laut Umfrage die Fälscher in China ausgemacht. China ist auch größter Absatzmarkt für die Fälschungen (46 Prozent). Nach Deutschland gelangen die Plagiate dagegen eher selten (17 Prozent).

Auch deutsche Unternehmen kupfern ab

Doch auch deutsche Unternehmen kupfern ab. Nach den Chinesen sind sie sogar die eifrigsten Plagiatoren für heimische Waren. 19 Prozent der Befragten haben bereits schlechte Erfahrungen mit ihren Landsleuten gemacht. "Deswegen müssen wir immer sehr vorsichtig sein, auf andere Leute zu zeigen", sagte Wittenstein. Allerdings scheuten sich viele Unternehmen, ihre Landsleute "gnadenlos zu verfolgen". Die Kunden- und Lieferantenbeziehungen seien dafür viel zu weit verzweigt, begründete der VDMA-Präsident das Verhalten seiner Mitglieder.

Zumeist kopieren die Plagiatoren nach den Ergebnissen der Umfrage ganze Maschinen. Fast ein Drittel der Unternehmen hat im vergangenen Jahr aber auch gefälschte Ersatzteile gefunden. Den Großteil der Piratenprodukte entdeckten die Firmen dabei auf Messen. Auf der Hannover Messe ist der VDMA deshalb erstmals mit eigenen Anwälten vertreten, um seinen Mitgliedsunternehmen zu helfen. Wittenstein machte jedoch deutlich, dass dies keine endgültige Lösung ist: "Das Thema wird uns auch in der Zukunft begleiten, vor allem wenn wir weiter so innovativ sind."

Zum Top-Thema der Hannover Messe, Energie, sagte Wittenstein, energieeffiziente Produkte seien ein "gigantischer Zukunftsmarkt". Der Maschinenbau werde gemeinsam mit der Politik alles dafür tun, um den Wettbewerbsvorsprung Deutschlands in diesem Markt zu halten und auszubauen. (jam/dpa)

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