Wirtschaft : Borchert wirbt bei den Landwirten für den Euro

Doch nur mäßiger Applaus für ihn auf dem Deutschen Bauerntag

BRAUNSCHWEIG (dpa/rtr). Die Einführung des Euro ist nach Ansicht von Bundeslandwirtschaftminister Jochen Borchert eine wichtige Voraussetzung für die Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland.Die deutschen Bauern hätten lange genug unter den Währungsschwankungen gelitten, sagte Borchert am Freitag vor 3000 Landwirten während der zentralen Kundgebung des diesjährigen Deutschen Bauerntages in Braunschweig.Zugleich forderte er die Europäische Kommission auf, die Agrarpolitik verläßlich und berechenbar zu gestalten.
Die harte Verhandlungslinie der Deutschen habe sich hier ausgezahlt, betonte Borchert."Die Beihilfen werden nicht angetastet.Es bleibt bei fünf Prozent Flächenstillegung." Aber der Kampf um Ausgleichszahlungen und eine verläßliche Agrarpolitik gehe weiter.Den am selben Tag tagenden Bundesrat forderte er auf, das Bundesnaturschutzgesetz nicht zum Schaden der Landwirte zu novellieren."Keine Auflagen ohne Ausgleich".Nur so könnten Bauern auch in Naturschutzgebieten wettbewerbsfähig bleiben.
Borchert erntete für seine Einschätzung, die Bauern könnten mit der Bonner Agrarpolitik zufrieden sein, nur verhaltenen Applaus.Dennoch mahnte der Minister, auch der Agrarbereich müsse "seinen Beitrag zur Konsolidierung des Bundeshaushaltes leisten".Die Einsparungspläne riefen dagegen den Protest von Bauernpräsident Gerd Sonnleitner hervor: "Wir lehnen jede weitere Kürzung konsequent ab - hier gibt es nichts mehr zu verhandeln."
Niedersachsens Ministerpräsident Gerhard Schröder forderte, den unaufhaltsamen Strukturwandel in der Landwirtschaft sozialpolitisch abzufedern.Öffentliche Ausgaben für die Landwirtschaft seien eine wichtige Investition und keine Almosen für die Bauern, sagte Schröder unter starkem Beifall.Kleinere bäuerliche Familienbetriebe könnten allerdings den gestiegenen Erwartungen nach mehr Umweltschutz und gesunden Produkten besser nachkommen.Deshalb wende er sich gegen eine Benachteiligung der Familienbetriebe gegenüber Agrarfabriken.
Die Bilanz des Bauerntages unter neuer Leitung fiel bei den Landwirten gemischt aus."Sonnleitner hat uns positiv eingestimmt", begeisterte sich der Niedersachse Carl Lauenstein.Dagegen hieß es bei der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft: "Neue Köpfe, aber immer noch alte Zöpfe." Der DBV liebäugele damit, "die Landwirtschaft durch intensive Produktion und mit Hilfe von Gentechnik für den Weltmarkt fit zu machen." Bei den Bauern bleibt dies umstritten.Vor allem junge Landwirte schlossen sich in Braunschweig dem Kurs der Landjugend an, die Gentechnik zwar nicht generell ablehnt, aber dennoch Wege ohne sie sucht.Der Landjugendvorsitzende Dirk Detlefsen meinte, um das Image der Bauern nicht zu schädigen, müsse sich die Landwirtschaft an Verbraucherinteressen orientieren.

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