Wirtschaft : Boris Becker im Gespräch: "Der Gang an die Börse ist keineswegs geplatzt"

Herr Becker[im vergangenen Jahr haben Sie im Hand]

Herr Becker, im vergangenen Jahr haben Sie im Handelsblatt einen "Börsengang mit meiner Person" für den Sommer 2001 angekündigt. Wird es den geben?

Im Moment wäre es Selbstmord, mit einer Firma an die Börse zu gehen. Meine Sportvermarktungsagenturen BBI und BBM bieten leider nicht ausreichend genug Content, und das Internetportal Sportgate ist noch nicht einmal online.

Bedeutet das, dass Ihr Börsentraum geplatzt ist?

Nein. Ich bin schließlich Mitgesellschafter bei verschiedenen Unternehmen, die irgendwann einmal an die Börse wollen. Schon in einigen Monaten werden wir all meine Gesellschafteranteile in einer Muttergesellschaft bündeln. Wenn die genügend Zündstoff und Fantasie hat, greifen wir an.

So ähnlich hörte sich das bei Sportgate auch mal an. Passiert ist bislang nichts.

Das ist nicht ganz richtig. Seit Monaten arbeiten Experten am Aufbau des Portals. Nur: Noch ist das Produkt nicht so weit. Das ist natürlich frustrierend. Wir sind damals mit einem ziemlichen Tohuwabohu an die Öffentlichkeit gegangen und haben selber geglaubt, dass wir innerhalb weniger Wochen online gehen. Aber es haben gewisse Gesellschafterstrukturen nicht gepasst. Das haben wir inzwischen geklärt.

Sportgate ist aber immer noch nicht online.

Der gesamte Internetmarkt ist in der Krise. Vor anderthalb Jahren war es noch mit links möglich, Hunderte Millionen Mark Venture Capital einzusammeln. Das ist heute nicht mehr so einfach.

Mangelt es also am Geld?

Wir haben zwar Kapital, aber nicht in den Mengen, die wir uns erträumt haben.

Von wem soll das Kapital kommen?

Der ganze Sportportalmarkt muss enger zusammenrücken, egal ob das Sportal ist, Sport1 oder der Dienst von RTL. Wir machen Breitensport, haben damit potenziell die meisten Kunden. Deshalb werden sich da Kooperationen ergeben, und die ersten Verträge sind auch schon da.

Wer sind die neuen Partner?

Ganz so weit ist es noch nicht. Die Gespräche laufen, sind aber noch nicht abgeschlossen. Wir sind aber auf einem guten Weg.

Sie haben gerade Ihren Berater gewechselt, und auch Ihre Co-Geschäftsführer bei der Marketingfirma BBM haben Sie bereits zweimal ausgetauscht. Das spricht nicht gerade für Kontinuität.

Ach, so etwas kommt in den besten Familien vor. Ob Telekom oder Kleinbäckerei, Personalwechsel und Umstrukturierungen sind heute an der Tagesordnung.

Dem Wandel vom Tennisstar zum seriösen Geschäftsmann sind diese häufigen Wechsel aber nicht zuträglich. Und die Dauerpräsenz auf den Titelseiten der Boulevardpresse schon gar nicht.

Was ist denn eigentlich ein seriöser Geschäftsmann? Einer mit Seitenscheitel und gelber Krawatte etwa? Am Ende des Tages muss er schwarze Zahlen vorweisen, darauf kommt es doch an und nicht darauf, wie oft er geschieden ist.

Wie sehr haben Ihre privaten Probleme Sie in den vergangenen Monaten von beruflichen Aufgaben abgehalten?

Meine privaten Probleme haben vor allem dem Menschen Becker geschadet, der Geschäftsmann Becker hat nur darunter gelitten. Ich konnte meinen beruflichen Pflichten nicht mit der gewohnten Dynamik nachgehen. Aber jetzt, wo alles geregelt ist, habe ich mehr Zeit denn je für meinen Beruf. Und wer bis Dezember noch nicht begriffen hatte, wie bekannt Becker in diesem Land ist, der weiß es spätestens heute.

Wie haben Ihre Geschäfts- und Werbepartner reagiert?

Die stehen alle voll hinter mir. Mit AOL habe ich gerade eine neue Werbekampagne besprochen, in der wir ab Ende April die Geschehnisse der letzten Monate aufgreifen.

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