Wirtschaft : Boris Becker soll 1,5 Millionen Euro an Gläubiger zahlen

Umstrittene Zahlungsverpflichtung gegenüber Pleitefirma Sportgate

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Berlin (alf/mot). Das Landgericht München entscheidet darüber, ob Boris Becker 1,5 Millionen Euro an die Gläubiger der Pleite gegangenen Internetseite Sportgate zahlen muss. Becker hält 60 Prozent an Sportgate, 40 Prozent gehören dem Vorstandschef der Internetagentur Pixelpark, Paulus Neef. Der Gläubigerausschuss sowie Insolvenzverwalter Hartwig Albers beantragten beim Landgericht München Prozesskostenhilfe, um gegen Becker klagen zu können. Albers zufolge ist die Prozesskostenhilfe erforderlich, um die Verfahrenskosten sowie die Vergütung des Insolvenzverwalters bezahlen zu können. Die Konkursmasse von Sportgate, die sich ausschließlich aus der Betriebs- und Geschäftsausstattung zusammensetzt, sei zu gering, um daraus den Prozess finanzieren zu können, sagte Albers dem Tagesspiegel. Über den Antrag auf Prozesskostenhilfe und damit auch, ob überhaupt ein Verfahren gegen Becker geführt werden kann, wird das Landgericht voraussichtlich im Herbst entscheiden.

Die rund 100 Gläubiger der Firma – zum überwiegenden Teil Sportgate-Mitarbeiter sowie Lieferanten – haben sich erst jetzt für den juristischen Weg entschieden, nachdem die Anwälte Beckers zwar über Monate einen Kompromiss in Aussicht stellten, „aber inhaltlich keine Aussage machten“, wie Insolvenzverwalter Albers sagt. Boris Becker selbst ging auf Tauchstation. „Ich habe x-Mal versucht, ihn zu erreichen“, sagte Helmut Thoma, ehemaliger RTL-Chef und bei Sportgate als beratender Vorstandschef aktiv, „aber Becker hat sich tot gestellt“.

Der Tennisstar weigert sich, seiner im Juli 2000 eingegangenen Verpflichtung nachzukommen und bei Sportgate 1,5 Millionen Euro nachzuschießen, sollte das Unternehmen in Schwierigkeiten geraten. Albers zufolge hat sich Becker in einer schriftlichen Erklärung zu der Zahlung verpflichtet, wenn Sportgate „eine bestimmte Unterkapitalisierung“ erreicht.

Am 13. Juni 2001 hatte Sportgate beim Berliner Amtsgericht einen Insolvenzantrag gestellt. „Beckers Weigerung hat zur Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens geführt“, sagte Thoma dem Tagesspiegel und bezeichnete Beckers Version als „fadenscheinig“. „Er sagt, seine Nachschusspflicht sei erloschen, weil er sich nur gegenüber der Sportgate-Gesellschaft in Gründung verpflichtet habe“, so Aufbauhelfer Thoma. „Dabei gab es gar keine andere Gesellschaft, als sein Vertrag unterschrieben wurde.“ Das Geschäftsgebahren Beckers sei im Übrigen immer „absurd“ gewesen. „Boris hat sich nach dem Ende seiner Tenniskarriere einen Nadelstreifenanzug angezogen und bedeutend rausgeschaut – mehr war es nicht“, so Thoma. Der Ex-Sportler habe gleichzeitig „ungeheure Ausgaben“ für seinen aufwändigen Lebensstil getätigt. Gegenwärtig wird sogar spekuliert, dass Becker zahlungsunfähig sein könnte.

Pixelpark-Chef Paulus Neef, Beckers Geschäftspartner und Miteigentümer von Sportgate, hält sich in der Angelegenheit bedeckt. „Herr Neef möchte zu dieser Sache in keiner Weise Stellung nehmen“, wehrte eine Pixelpark-Sprecherin Anfragen ab. Auch Neef ging bei Gründung der Gesellschaft die Verpflichtung ein, in einem bestimmten Fall 1,5 Millionen Euro nachzulegen. Und zwar dann, wenn er keinen Investor für Sportgate auftreiben kann. In Unternehmenskreisen heißt es dazu, Neef vertrete die Auffassung, er habe einen Investor genannt und bereits damit seiner Verpflichtung entsprochen. Fakt ist allerdings, dass kein Investor eingestiegen ist. Zu einer beim Münchener Landgericht anhängigen Klage von Neef gegen Becker sagte Thoma: „Neef behauptet seinerseits, dass sich Becker ihm gegenüber finanziell verpflichtet hat.“ Über Gegenstand und Höhe der Verpflichtung ist nichts bekannt.

Ob die Gläubiger respektive der Konkursverwalter auch juristisch gegen Neef vorgehen, ist offen. Albers hofft vor allem auf das Geld Beckers: „Der Betrag würde ausreichen, um die Gläubiger zu 100 Prozent zu befriedigen.“ Dem Internetportal Sportgarte würde das indes auch nicht mehr helfen. „Sportgate ist tot und bleibt tot“, sagt Konkursverwalter Albers.

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